Berlin - Gareth Southgate, der Coach des englischen Nationalteams, setzt seit ein paar Jahren auf die Expertise von Ben Lyttleton, der als Autor von Fußball-Büchern und Berater von Fußball-Klubs auf der Insel eine gewisse Prominenz erlangt hat. Lyttleton gilt als Fachmann fürs Elfmeterschießen, hat sich bei der Recherche für sein Werk „Twelve Yards“ eingehend mit dieser Thematik beschäftigt und auch gleich noch so eine Art Erfolgsformel für diese Sondersituation entwickelt.

So hat Southgate, 50 Jahre alt und seit 2016 im Amt, auch vor dem am Dienstag im Wembley-Stadion ausgetragenen EM-Achtelfinale gegen Deutschland (18 Uhr, ARD und MagentaTV) seine Spieler wiederholt zur Extraschicht vom Punkt gebeten. Gemäß der Lyttleton’schen Empfehlung, wonach sich der jeweilige Schütze bei der Ausführung Zeit lassen, auf die Körpersprache achten und im Falle des Erfolgs möglichst überschwänglich jubeln sollte. Immerhin: Im WM-Achtelfinale vor drei Jahren hieß der Verlierer nach Elfmeterschießen tatsächlich nicht England, sondern Kolumbien.

Über 500 Spiele in der Premier League

Southgate und Elfmeterschießen? Klar, wer erinnert sich nicht an seinen Fehlschuss im Halbfinale der EM 1996 gegen Deutschland? Southgate versagten damals in der Konfrontation mit Keeper Andreas Köpke die Nerven, er wurde zur tragischen Figur, weil nach ihm Andy Möller zum entscheidenden 6:5 traf. Und das ausgerechnet in Wembley, in der mythischen Spielstätte, die doch einst für gegnerische Mannschaften eine uneinnehmbare Festung war.

Dieser dunkle Moment begleitet Southgate nun schon ein Leben lang, wenngleich er vorgibt, dieses Trauma längst überwunden zu haben. Er, der als Spieler von Crystal Palace, Aston Villa und dem FC Middlesbrough über 500 Spiele in der englischen Premier League, zudem 57 Länderspiele bestritten hat, weiß allerdings auch um die Brisanz des Spiels gegen die DFB-Elf, und sagt: „Diese Mannschaft kann mit diesem Spiel Geschichte schreiben und den Menschen für die Zukunft Erinnerungen an Duelle zwischen Deutschland und England mitgeben, die anders sind als die, mit denen sie in den letzten Tagen überflutet worden sind.“ Sein Scheitern inklusive.