Berlin/Sevilla - Ein guter Trainer ist zur Selbstkorrektur bereit, geht noch mal in sich, wenn der für ein Großturnier angelegte Matchplan in den ersten beiden Gruppenspielen nicht aufgegangen ist. Luis Enrique jedenfalls, der Trainer der spanischen Nationalmannschaft, hatte seine Mannschaft für die Partie gegen die Slowakei, die über Aus oder Fortkommen entscheiden sollte, auf vier Positionen verändert. Zwei Neue für die Abwehr, Azpilicueta und Garcia statt Llorente und Pau, zwei Neue fürs Mittelfeld und Angriff, Busquets und Sarabia für Rodri und Llorente, und siehe da: Spanien siegte souverän 5:0, steht im EM-Achtelfinale und trifft als Gruppenzweiter am kommenden Montag auf die Kroaten, weil die Schweden im Parallelspiel gegen die Polen in der Nachspielzeit doch noch das 3:2 erzielten und sich damit den ersten Tabellenplatz sicherten. Die Skandinavier treffen am Dienstag auf die Ukraine, die Slowaken sind raus.

Im Stil von Tomislav Piplica

Das Olympiastadion in Sevilla ist wirklich ein schrecklicher Ort für ein Fußballspiel. Es hat noch nicht mal die Bezeichnung Olympiastadion verdient, da die wundervolle Hauptstadt Andalusiens bei der Vergabe der Sommerspiele für das Jahr 2004 ja nicht zum Zug gekommen ist, aber bereits im Zuge des Bewerbungsverfahrens diesen Klotz an den Stadtrand gestellt hatte. Hinzu kommt, dass der Rasen im weiten Rund nicht höchsten Ansprüchen genügt. Das gereichte vor allem den Spaniern in den ersten beiden Gruppenspielen zum Nachteil, ihr Spiel basiert ja bekanntlich auf dem schnellen Flachpass, wofür eine möglichst ebene Rasenfläche die Grundvoraussetzung ist. 

Der Groundkeeper konnte allerdings nichts dafür, dass die Elf von Luis Enrique nach elf Minuten eine wirklich sehr, sehr gute Torchance vergab. Man könnte bei einem Strafstoß, den Koke auf clevere Art und Weise im Zweikampf mit Jakub Hromada erzwungen und erst über den Videobeweis letztlich zugesprochen bekommen hatte, auch von einer hundertprozentigen Torchance sprechen. Alvaro Morata übernahm die Verantwortung, der Vielgeschmähte zielte von ihm aus gesehen in die linke Ecke, doch Keeper Martin Dubravka hatte das geahnt und parierte gekonnt mit seinen Fäusten.

Die eine oder andere Mannschaft kommt durch so einen Fehlschuss schon mal vom Weg ab. Nicht aber die Spanier, die dieses Mal weitaus flexibler, weitaus garstiger agierten als zuletzt. Der Reihe nach erarbeiteten sie sich beste Gelegenheiten zur Führung, was es dazu aber schließlich brauchte, war die Beihilfe von Dubravka. Erinnerungen an den ehemaligen Energie-Cottbus-Keeper Tomislav Piplica und an dessen unglaublichen Fehlgriff am 6. April 2020 beim Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach wurden wach, als der Slowake in der 30. Minute nach einem Schuss von Pablo Sarabia gegen die Querlatte kurz die Orientierung verlor und sich den aus der tiefstehenden Sonne einfliegenden Ball schließlich selbst ins Tor klatschte. Kurios war das im Allgemeinen, bitter für die Slowaken und ein Glücksfall für die Spanier.

Laporte erwischt Dubravka auf dem falschen Fuß

Auch beim 2:0 trat der Schlussmann von Newcastle United als Pechvogel in Erscheinung. Bei einem Eckball in der Nachspielzeit der ersten Hälfte wusste er nicht so recht wohin, versuchte zunächst Gerard an einer Flanke von der Grundlinie zu hindern, was misslang. Flugs eilte Dubravka in sein Tor zurück, wurde da allerdings von Aymeric Laporte per Kopfball auf dem falschen Fuß erwischt. 

In ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, ließen die Spanier in der zweiten Hälfte keine Zweifel mehr aufkommen. Sie kontrollierten jederzeit das Geschehen, ohne in ihren Aktionen an Tempo zu verlieren. Gegen einen inzwischen vollkommen desillusionierten Gegner kamen sie so durch Kapitän Jordi Alaba, die Vorarbeit hatte Sarabia geliefert, und durch den eingewechselten Ferran Torres noch zum 3:0 und zum 4:0. Und das auf eine für sie typische Art und Weise, mit schnellen Pässen durch die Reihen der Slowaken, dem holprigen Grün zum Trotz. Den Schlusspunkt setzte wiederum ein Slowake, nämlich Juray Kucka in der 71. Minute mit einem Eigentor.