Berlin - Die „negativen“ Nachrichten waren in den vergangenen Tagen ausnahmsweise positiv. Nachdem sowohl Spanien als auch Schweden vor dem Duell zum EM-Start in Sevilla je zwei Corona-Fälle vermeldet hatten, blieben die Teams (bislang) von weiteren Covid-19-Ausbrüchen verschont. Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique begrüßte in Diego Llorente gar einen betroffenen Spieler schon wieder zurück im Kreise seiner Mannschaft.

„Wenn am Montag das Spiel angepfiffen wird, müssen wir all dieses Theater hinter uns lassen“, forderte Defensivspieler Llorente, dessen PCR-Ergebnis von vor wenigen Tagen wohl falsch-positiv war. Nach vier negativen Tests durfte er am Freitag wieder in die Blase der „La Furia Roja“. Die Vorbereitung auf das Schweden-Spiel am Montagabend (21 Uhr, ZDF) wurde jedoch erheblich gestört.

Spaniens „Schattenaufgebot“ wurde bereits wieder abgezogen

Enrique hatte nach den Fällen von Llorente sowie Kapitän Sergio Busquets zur Sicherheit gar einen B-Kader in das Teamquartier in Las Rozas bei Madrid berufenen, am Sonnabend rückte das 17-köpfige „Schattenaufgebot“ aber wieder ab. Das Team des dreimaligen Europameisters trainierte wie auch die ebenfalls betroffenen Schweden weitgehend individuell. Am Freitag erhielt die „Seleccion“ sogar kurzfristig noch die Schutz-Impfung gegen das Coronavirus.

Der frühere Bayern-Profi Thiago bezeichnete dies als „Privileg“ und „Glück“. Dabei ist die Entscheidung aufgrund des allgemeinen Impf-Fortschritts in Spanien durchaus umstritten. Weil jedoch lange Zeit unklar war, wie stark das Team betroffen ist, entschied sich Spaniens Regierung doch zu dem Schritt. Die Sinnhaftigkeit einer derart kurzfristigen Aktion hinterfragen Mediziner allerdings, da Impf-Reaktionen nicht ausgeschlossen sind. „Der Zeitpunkt ist definitiv suboptimal. Der Impfschutz greift ohnehin erst nach 14 Tagen, und die Spieler gehen mit verminderter Leistungsfähigkeit auf den Platz“, sagte Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule dem Focus. Wie viele Spieler tatsächlich geimpft wurden, teilten die Spanier nicht mit.

Schwedens Trainer hatte sogar Zlatan Ibrahimovic angerufen

Bei den Schweden schrillten die Alarmglocken ähnlich laut wie in Spanien. Nach den Infektionen von Juve-Profi Dejan Kulusevski und Mattias Svanberg beorderte Nationaltrainer Janne Andersson sicherheitshalber sechs Profis als „Backup“ zum Team. Kurzzeitig hatte er sogar beim verletzt fehlenden Superstar Zlatan Ibrahimovic durchgeklingelt, doch der sagte – wie erwartet – ab: „Wir hatten ohnehin nicht mit ihm gerechnet“, sagte Andersson.

Beide Nationen hoffen vor dem Topspiel der Gruppe E, dass nicht noch andere Infektionen unentdeckt blieben – und es am Montagabend in Sevilla tatsächlich um den Sport geht. Vor allem Mitfavorit Spanien ist dann gefordert, vor rund 15.000 Fans im Estadio Olímpico de La Cartuja einen gelungenen Start hinzulegen. Ohne Anführer Sergio Ramos, auf den Enrique wegen Trainingsrückstands in seinem Aufgebot verzichtete, wollen die spanischen Edeltechniker nun beweisen, dass sie an die goldene Generation von vor knapp zehn Jahren anknüpfen können – allen Corona-Problemen zum Trotz.