Berlin - Stéphanie Frappart, geboren am 18. Dezember 1983 in der etwa 30 Kilometer nördlich von Paris gelegenen Kleinstadt Le Plessis-Bouchard, schreibt Geschichte, als eine Pionierin in einem von Männern dominierten Berufsfeld. Man könnte auch sagen: Stéphanie Frappart ist in ihrer Welt immer die erste Frau.

Eine bedauerliche Nebenrolle

Die erste Frau, die als Schiedsrichterin ein Spiel in der französischen Ligue 1 leitete. Das war im April 2019: Amiens gegen Straßburg. Die erste Frau, die als Unparteiische bei einem international bedeutenden Endspiel im Männerfußball zum Einsatz gekommen ist. Das war im August 2019 beim Uefa-Supercup: Liverpool gegen Chelsea. Schließlich auch die erste Frau, die als Referee für ein Champions-League-Spiel nominiert wurde. Das war im Dezember 2020: Juventus Turin gegen Dynamo Kiew. Und nun ist Stéphanie Frappart die erste Schiedsrichterin bei einer EM, wenngleich sie dabei nur als Vierte Offizielle agieren wird, so wie am Freitagabend beim Auftaktspiel zwischen Türkei und Italien.

Dass ihr in den kommenden Wochen also wohl nur eine Nebenrolle zukommen wird, ist bedauerlich. Denn Stéphanie Frappart ist eine natürliche Autorität, hat sich auch bei diskussionsfreudigen Trainern wie Liverpools Jürgen Klopp Respekt erpfiffen. Fitter als der eine oder andere Kollege ist sie, agiert unaufgeregt, hat wiederholt ihre mentale Stärke unter Beweis gestellt.

Ihren Aufstieg in die oberste Schiedsrichterriege hat sie übrigens mal wie folgt kommentiert: „Ich empfinde das als echte Anerkennung meiner Kompetenz und meiner Arbeit. Außerdem zeigt es allen Mädchen, was möglich ist, wenn man hart arbeitet und sich einer Sache ganz verschreibt.“ Was natürlich nicht nur für Mädchen gilt.