Bergfest gefeiert, zwei Tage TV-Päuschen. Jetzt die Achtelfinals. Höchste Zeit für ein paar Schlaumeier-Zahlen, ohne Statistik geht ja gar nichts heutzutage. Also: In den 36 Spielen der Gruppenphase fielen 94 Treffer, im Schnitt pro Spiel also 2,61. Ein guter Wert offenbar. Acht Eigentore gab es, drei davon unterliefen Torhütern. 14 Elfmeter wurden verhängt, Europameisterschafts-Höchstwert. Sechs davon wurden nicht verwandelt, auch ein Rekord und irgendwie blöd. Nur acht der 94 Tore fielen nach Kontern. Nur drei EM-Tore fielen in der Nachspielzeit, ungewöhnlich. 95 Gelbe Karten wurden verhängt und zwei Platzverweise. Und elf der 16 Achtelfinallisten setz(t)en auf die Dreierkette. Der Portugiese Cristiano Ronaldo führt mit fünf Treffern die Torschützenliste an und stellte mit 109 Länderspieltoren den Weltrekord des Iraners Ali Daei ein.

Jetzt zu den Rekorden ohne Belege: Luis Enrique, Spaniens Nationaltrainer, glänzt in der Disziplin „Ausdauerndes Sitzen auf einer großen Kühlbox am Spielfeldrand“. Ein mögliches Vorbild: Der Argentinier Marcelo Bielsa, einer der Interessanteren der Trainer-Zunft, saß während seiner Übungsleiterzeit bei Olympique Marseille ganz besonders hartnäckig auf Kühlboxen, die daraufhin unter den Fans extrem gefragt waren. Einer der Vorteile des Kühlboxsitzens dürfte sein, dass man eine solche Box für sich allein hat und keiner neben einem hockt, der dummes Zeug reden kann. Die Box als meditatives Selbstisolationsinstrument gewissermaßen, gletschereiskalte Getränke untenrum immer in Griffnähe. Gefällt mir.

Apropos dummes Zeug und Nebensitzer: Den schönsten und längsten Lachanfall des Turniers bekam Almuth Schult, National-Torhüterin und von der ARD zwecks Kommentierung im Studio als Expertin engagiert. „Der ist so lange im Game“, hatte ihr Experten-Kollege Kevin-Prince Boateng, neben ihr sitzend, gerade über den eigentorgeplagten Mats Hummels gesagt, als Schult lachjapsend zusammenbrach. So cool schlauschnacken wie Boateng können nur Männer, sage ich mal. Gut, dass die kluge und lustige Frau Schult schon recht lange im Fußball-Game und noch nicht so lange im Fernseh-Game ist und neben Ball- auch Sprachgefühl hat.

Lässiger Übergang jetzt zum Bingo-Spiel: @Floskelwolke heißt ein Twitter-Account, auf dem täglich Floskeln in deutschsprachigen Nachrichten analysiert werden. Sehr lohnend sowieso. Und ganz besonders während dieses Turniers. Zum einen hat das Floskelwolke-Team sechs Bingo-Karten mit je 24 Fußball-Floskeln und -Phrasen entwickelt, die man ausdrucken und während des Games abkreuzen kann. Das Floskel-Bingo bietet von „Foul ist, wenn der Schiri pfeift“ über „Die Mannschaften tasten sich ab“ bis „Ein Tor würde dem Spiel gut tun“ alles, was das Fan-Ohr begehrt. Mir persönlich fehlt nur die „Brechstange“, die während dieser EM besonders beliebt ist.

Das Floskelwolke-Team kommentiert während einzelner Spiele auch sehr schön live. Und pickt die besten Sätze der Kommentatoren raus. Mein liebster aus dem Spiel #GERHUN: „Am Ende ist Schluss.“