Frankreich: Der Top-top-top-top-Favorit

Die Franzosen haben all das, was ein Titelkandidat so braucht: Artisten wie Kylian Mbappé und Antoine Griezmann, Aggressoren wie N’golo Kanté und Paul Pogba, Abwehrstrategen wie Jules Kounde oder Raphael Varane. Hinzu kommt mit Didier Deschamps ein Trainer, der weiß was zu tun ist, um einen großen Titel zu gewinnen. Und da ist auch noch Karim Benzema, der im Jahr 2015 nach einer Sexvideo-Affäre aus dem Nationalteam verbannt worden war, nun aber wieder das Trikot mit dem gallischen Hahn auf der Brust tragen darf. Um mit Pep Guardiola, dem mitunter seltsamen, aber letztlich doch sehr erfolgreichen Trainer zu sprechen: Les Bleus sind die Top-top-top-top-Favoriten auf den Titel.

Ein paar kleine Zweifel nimmt der Weltmeister von 2018 aber dennoch mit ins Turnier. Ausgerechnet in Gestalt von Kylian Mbappé, der bei den Auftritten von Paris St. Germain in der K.-o.-Runde der Champions League mit den typischen Allüren eines Starspielers unterwegs war und im Besonderen bei der Defensivarbeit nur den Beobachter gegeben hat. Zudem ist Kapitän und Keeper Hugo Lloris nach einer langwierigen Verletzung noch nicht so recht in Form gekommen.

England: Das Land der tollen Talente

Selbst schuld, wer so viele außerordentliche Talente entwickelt. Wer eine so außerordentliche Generation ins Feld führt, dass die anderen Nationaltrainer vor Neid erblassen. So müssen sich die Engländer nicht wundern, dass sie mal wieder zu den Titelanwärtern zählen und von der heimischen Presse mit entsprechendem Druck in die EM geschickt werden. Von einer goldenen Generation ist wieder mal die Rede, die den Engländern endlich den Schmerz der nun schon seit 55 Jahren währenden Titellosigkeit nehmen soll. 

Es ist ja so, dass sich weder ein Jadon Sancho noch ein Jude Bellingham sicher sein können, dass sie in der Startelf von Nationalcoach Gareth Southgate stehen. Die beiden Dortmunder stehen in der Offensive in Konkurrenz mit Marcus Rashford, Raheem Sterling, Bukayo Saka, Mason Mount und dem fantastischen Phil Foden. Gesetzt ist im Angriff der Three Lions letztlich nur Kapitän Harry Kane.

Stellt sich nur mal wieder die Frage, ob die Defensive, die durch den Ausfall von Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold eine nicht unwesentliche Schwächung erfahren hat, tatsächlich in der Lage ist, die besten Angreifer Europas zu bändigen. Beziehungsweise, ob Torhüter Jordan Pickford nicht doch wieder mal zu flattern beginnt.

Belgien: Mit dem Segen der Wissenschaftler

Wissenschaftler der Universität Münster, allen voran Professor Andreas Heuer, Autor des Buches „Der perfekte Tipp“, sind sich (relativ) sicher, dass Belgien das Rennen macht. In einer aufwendigen Simulation haben sie für alle 51 Spiele der EM die Wahrscheinlichkeit für Sieg, Unentschieden und Niederlage ermittelt, sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass die Mannschaft um Kevin de Bruyne zunächst im Achtelfinale die deutsche Mannschaft aus dem Wettbewerb verabschieden und auch danach von niemanden mehr zu stoppen sein wird. Das kann man belächeln, doch liegt die Trefferquote der Münsteraner Propheten bei immerhin 70 Prozent, wie entsprechende Prognosen für die Bundesliga beweisen.

Das Zeug zum großen Coup haben die Belgier allemal. Das Team ist eingespielt, verfügt über Spieler, die sich in den besten Ligen Europas eine zielführende Wettkampfhärte angeeignet haben. Allerdings mangelt es dem einen oder anderen Schlüsselspieler an Wettkampfpraxis, siehe Axel Witsel, der nach einem im Januar erlittenen Achillessehnenriss noch nicht ein Pflichtspiel bestritten hat, siehe aber auch Eden Hazard, der bei Real Madrid zuletzt nur noch Ergänzungsspieler war. Unsicherheiten sind das, die von Heuer & Co. nicht berücksichtigt werden konnten, bei den Wissenschaftlern zählt nur das nackte Ergebnis.