Union Berlin überwintert im Europapokal: Die Eisernen besiegen Malmö 1:0

Die Elf von Urs Fischer erzwingt den Erfolg gegen die Schweden durch ein spätes Elfmetertor. 

Die Eisernen feiern ihren Siegtorschützen Robin Knoche (M.).
Die Eisernen feiern ihren Siegtorschützen Robin Knoche (M.).imago/Behrendt

Es gibt bezüglich des 1. FC Union Berlin neue Nachrichten, ausschließlich gute. Was in Erinnerung an die vergangenen sieben Tage tatsächlich keine Selbstverständlichkeit ist.

Erstens: Im Laufe des Tages wurde auf dem Klubgelände kein weiterer Autokrat gesichtet, der die Eisernen à la Viktor Orban mit einem „spontanen“ und letztendlich nur der Selbstinszenierung dienenden Besuch zum wiederholten Male in große Erklärungsnöte bringt. Kann aber natürlich auch sein, dass einer „undercover“ unterwegs war und unsereins das nicht mitbekommen hat. Aber dann wär's ja auch egal.

Festnahmen durch die Berliner Polizei

Zweitens: Im Gegensatz zum vergangenen Donnerstag, als eine Reihe von „Fans“ (und das vorwiegend aus dem Block der Unioner) während des Europa-League-Spiels in Malmö ein beschämendes Pyro-Chaos entfacht hatten, kam es beim Rückspiel zu keinen weiteren Vorkommnissen dieser ganz düsteren Art, zumindest am Abend im Stadion An der Alten Försterei, wo gelegentlich dann doch etwas Rauch aufstieg. Am Mittwoch und wenige Stunden vor der Partie hatte sich die Berliner Polizei ja zu ein paar Festnahmen gezwungen gesehen. In Lichtenberg, wo sich gewaltbereite Union-Anhänger offenbar zu einer Schlägerei mit wem auch immer verabredet hatten, und am Brandenburger Tor, wo sich die Gäste-Fans vor einem gemeinsamen Marsch nach Köpenick versammelt hatten.

Und drittens, was ja wohl dann doch am wichtigsten ist: Die Elf von Urs Fischer hat gewonnen, 1:0 durch ein Elfmetertor von Robin Knoche in der 89. Minute, womit schon mal sicher ist, dass die Unioner im Europapokal überwintern werden. Die Teilnahme am Sechzehntelfinale der Europa Conference League ist gewiss. Und wer weiß, was diese Mannschaft in den noch ausstehenden beiden Spielen der Gruppenphase gegen Sporting Braga und Union Royale Saint-Gilloise noch zustande bringt. Von Vorteil ist dabei, dass sich die beiden soeben genannten Teams am Donnerstag im direkten Duell mit einem 3:3 trennten. So haben die Belgier nach vier Spieltagen zehn, die Portugiesen sieben, die Berliner hingegen sechs Punkte auf ihrem Konto.

Was die Zuschauer beim zweiten Europapokalspiel in der über hundertjährigen Geschichte des Stadions von Beginn an zu sehen bekamen, war ein kampfbetontes Spiel, wie man so schön sagt und damit auch suggeriert, dass das Niveau der Partie eher mittelmäßig war.

Unpräzise in der Spielfortführung

Mit dem Tabellenführer der Bundesliga auf der einen Seite, dessen Profis so wach waren, wie ihr Trainer das erhofft hatte, die aber nicht unbedingt so spielten, wie es ihrem Trainer gefällt. Nach einer Viertelstunde monierte Fischer die mangelhafte Präzision bei der Spielfortführung gen der Mittelinie, doch Janik Haberer, Genki Haraguchi, Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu blieben fürs Erste schlampig.

Für Christopher Trimmel ergab sich in der 25. Minute nach einem Eckstoß den er selbst getreten hatte, eine erste ernsthafte Schusschance. Keeper Ismael Diawara offenbarte bei dieser Aktion Schwächen, ließ den Ball zu Seite fallen, aber Diogo Leite konnte daraus keinen Nutzen ziehen. In der 44. Minute zielte Becker nach einer geschickten Ablage von Genki Haraguchi aus 18 Metern zu hoch. Mehr war da nicht.  

Auf der anderen Seite versuchten sich die Spieler des Tabellensechsten der Fotbollsallsvenskan immer wieder daran, die Eisernen unter Druck zu setzen. Weil Leite, Robin Knoche, Paul Jaeckel, Rani Khedira, Trimmel und Julian Ryerson hochkonzentriert verteidigten, wurde daraus aber nichts. Ein paar Fangübungen für Keeper Frederik Rönnow, ein paar Flanken ins Leere. Mehr war auch da nicht.

Fischers Glück ist, dass er sich für Momente, in denen sich seine Startelf ein bisschen festgespielt zu haben scheint, ein paar Optionen geschaffen hat. Der Schweizer hat Qualität auf der Bank, greift für gewöhnlich auch mit sicherer Hand darauf zurück. So brachte er, kurz nachdem Rani Khedira mit einem nicht sauber getroffenen Ball aus etwa 18 Metern den Außenpfosten getroffen hatte (64.), Sven Michel und Morten Thorsby ins Spiel, für die etwas unglücklich agierenden Haraguchi und Jordan Siebatcheu. 

Wenig später stand Thorsby sogleich im Mittelpunkt des Geschehens. Und das wegen Aleksandar Stavrev, der als Schiedsrichter dieser Partie einen überforderten Eindruck machte. Zunächst entschied der Nordmazedonier nach einem Einsatz des Norwegers im Strafraum der Schweden auf Elfmeter, nach Sichtung der Zeitlupe zeigte er Thorsby allerdings wegen Foulspiels die Gelbe Karte. Das rief Aufregung hervor, bei den Spielern, aber auch an der Seitenlinie unter den Trainern und auf der Tribüne. Leider brannten die Malmö-Fans dabei wieder Pyros ab.

Die Hektik wollte sich auch nicht mehr legen. Im Gegenteil. Und so musste sich, als Stavrev nach einem Zweikampf zwischen Emmanuel Lometey und Kevin Behrens erneut auf Elfmeter entschied und bei dieser Entscheidung auch blieb, erst mal ein nervenstarker Schütze finden. Robin Knoche übernahm die Verantwortung, traf zum so wichtigen 1:0 (89.). Lometey sah im Tohuwabohu der Nachspielzeit sogar noch Rot.