Nach der vergangenen Saison verabschiedete sich Pal Dardai als Cheftrainer von Hertha BSC.
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BerlinGeht er nach Köln? Geht er nicht? Verlässt er nach 22 Jahren Hertha und Berlin? In den zurückliegenden Tagen häuften sich die Meldungen, die die Zukunft von Pal Dardai betreffen. Sie reichten zuerst von „Dardai steht unmittelbar vor dem Job als Trainer beim 1. FC Köln“ bis zur finalen Entscheidung „Dardai sagt Köln ab“. Fakt ist: Der 43-Jährige wurde heftig vom Traditionsklub aus dem Rheinland umworben – und das nicht zum ersten Mal. Am zurückliegenden Sonnabend hat er dem Vorletzten der Bundesliga endgültig abgesagt.

Die Laufbahn von Pal Dardai als Profi und später als Trainer konnte ich seit Januar 1997 intensiv verfolgen. Bis zum Mai dieses Jahres verlief sie geradlinig und erfolgreich. Aber nach 286 Erstligaspielen für Hertha und anschließend viereinhalb Jahren als Cheftrainer beim Hauptstadtklub trauten ihm die Vereins-Bosse eine Weiterentwicklung der Mannschaft nicht mehr zu. U23-Trainer Ante Covic wurde sein Nachfolger. Ich kann es gut nachvollziehen, dass sich der Ungar nach Monaten der Erholung im Sommer und kurzer Hospitation bei Thomas Tuchel bei Paris St. Germain nicht ins Abenteuer Köln gestürzt hat. Beim oft chaotischen 1. FC Köln hätte er schnell vieles verspielen können, was er sich an Reputation in der Liga erworben hat.

Interesse aus Köln an Dardai

Das kurioseste Gerücht schwappte auch aus Köln nach Berlin: Dardai könnte bald seinen Nachfolger Ante Covic wieder beerben. Das aber halte ich für utopisch, auch wenn Covic gerade eine Art „Trainer auf Bewährung“ ist. Um seinen Job zu behalten, sollte er gleichwohl am Sonntag beim FC Augsburg und danach zu Hause gegen Borussia Dortmund gewinnen. Egal, wie die Karrieren der beiden Ur-Herthaner weiter verlaufen, Sorgen muss man sich nicht um sie machen. Denn die Geschichte zeigt, dass Trainer, von denen sich Hertha BSC irgendwann getrennt hat, meist keinen Karriereknick erlitten haben und Berlin gar als Sprungbrett nutzen konnten. Jürgen Röber bestätigte mir diese These.

Sechs Jahre war er der Chefcoach der Hertha, führte das Team von Liga zwei bis in die Champions League. Im Februar 2002 musste er aber gehen. Röber sagt: „Wenn man vom Hauptstadtklub kam, war das ein gutes Zeugnis, um einen neuen Job zu bekommen. Ein Engagement bei Hertha machte sich positiv in der Trainer-Vita bemerkbar, vor allem, wenn man in Berlin auch erfolgreich war.“ Röber trainierte später den VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund, dazu Partizan Belgrad, Saturn Ramenskoje Moskau und Ankaraspor, ehe er als Sportdirektor tätig wurde. Auch Bernd Storck, Röbers langjähriger Assistent, stieg später zum Nationaltrainer von Kasachstan und Ungarn auf und ist seit zwei Jahren in der belgischen Jupiler Pro League, aktuell bei Cercle Brügge, angagiert. Oder: Nachdem der Schweizer Lucien Favre im September 2009 bei Hertha gehen musste, war er zwar 16 Monate ohne Job, rettete dann aber Borussia Mönchengladbach vor dem Abstieg und führte das Team bis in die Champions League. Heute steht er als Dortmunder Chefcoach im Fokus der Liga.

Hertha ist ein Arbeitgeber mit gutem Namen

Auch wenn für alle dieser genannten Trainer Hertha BSC noch kein „Big-City-Klub“ mit großen finanziellen Möglichkeiten war, wie ihn nun Investor Lars Windhorst anstrebt, ein Arbeitgeber mit gutem Namen stellte Hertha allemal dar und war für die weitere Karriere durchaus hilfreich. Das wird auch Dardai irgendwann zu schätzen wissen.