Leeres Stadion.
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BerlinDie Meinungen unter Fußballfreunden gehen auseinander. Er werde sich keine Geisterspiele ansehen, verkündete kürzlich der Schauspieler Matthias Brandt. Das Verhalten der Fans im Stadion sei für ihn wesentlicher als das der Spieler auf dem Feld. Jeder Dreh sei doch eigentlich ein Geisterspiel, hielt der Regisseur Volker Schlöndorff dagegen. „Wenn wir einen Film drehen, sehen wir ja das Publikum nicht und stellen uns nur vor, wie spätere Kinobesucher reagieren könnten.“

Manchen Dingen muss man eben eine zweite Chance geben.

Ich war nach dem ersten Geisterspiel bedient. Ich wollte die wiedereröffnete Bundesliga nicht mehr sehen, weil ich sie nicht hören konnte. Die Geräuschkulisse erinnerte mich an unsere Schulsporthalle, an Geräteturnen und Tischtennis. Es klang auch nach den Hockeyturnieren in der Halle, denen ich als Mutter beiwohnen durfte. Rummsen, klackern, quietschen, poltern. Dazwischen Gebrüll einzelner Stimmen, wie ein unangenehmes Gemisch aus Teenagern, Sportlehrern und ehrgeizigen Vätern.

Doch der Bezahlsender Sky, über den ich schon viel Schlechtes gedacht habe, hat mich wieder mit der Situation versöhnt. Er ermöglicht es den Zuschauern, eine Tonspur dazuzuschalten, die von einem früheren Heimspiel der gastgebenden Mannschaft stammt. Echtes Stadionrauschen! So wird das Schauen wieder zum Erlebnis. Die akustische Anwesenheit Tausender, die ihre Liebe und ihre Hoffnung auf den Zungen tragen, lässt vergessen, dass die Ränge in Wirklichkeit leer sind. Sie macht es wieder spannend, der Mannschaft zuzusehen. Ihre Gesänge, ihre Rufe, ihre Pfiffe stiften eine Gemeinschaft.

Eine kluge Tonregie lässt die Intensität bei Torgefahr sogar steigen, toll! Nun muss nur doch die Möglichkeit gefunden werden, auch den Spielern das Geräusch zu vermitteln, damit sie sich nicht wie beim Filmdreh fühlen, sondern wie auf der Theaterbühne.