Belfast - Am heutigen Montag tritt die deutsche Fußball-Nationalelf in Nordirland an. Sie bestreitet ihr fünftes Spiel in der EM-Qualifikation, bei dem sie unter Druck steht nach der 2:4 Niederlage gegen die Niederlande. Eine Fünferkette hatte fleißig hin und her verschoben, die anderen fünf Feldspieler sollten die Räume zulaufen. Doch der schöne Plan ging nicht auf – und die Verteidigung sah besonders dumm aus.

Symbolfigur war der tapsige Jonathan Tah, der eine äußerst unrunde Leistung mit dem Eigentor zum 1:2 krönte. Auch Matthias Ginter hatte einen gebrauchten Tag erwischt. Auf den Seiten konnten weder Lukas Klostermann (rechts) noch Nico Schulz (links) überzeugen, und am Ende sah auch Niklas Süle dumm aus. Die Mannschaft habe die Kontrolle komplett verloren, grantelte der erst 24 Jahre alte Abwehrchef. Die Auflösungserscheinungen setzten sich am Sonnabend insofern fort, als dass Schulz wegen eines Teilrisses eines Bandes in der linken Fußwurzel aus dem Mannschaftshotel in Hamburg abreisen musste.

Hummels zu früh verabschiedet?

Grundsätzliche Fragen über die Abwehrqualität stellen sich, wenn die Niederländer in vier Wettbewerbsduellen gegen Deutschland spielend leicht zu elf Toren kommen. Joachim Löw widersprach vehement: Seine Auswahl habe Schwachstellen gezeigt, aber nicht wegen ihrer taktischen Ausrichtung, sondern wegen individueller Fehler. Und die These der fehlenden individuellen Klasse galt für den Bundestrainer schon mal gar nicht: Bei einem Tor sei das Zentrum schlecht besetzt gewesen. Beim dritten Treffer habe Ginter den Ball unter Druck verloren. „Wir haben in anderen Spielen gegen Holland und Frankreich gesehen, dass wir gut verteidigen können.“ Er konnte ja schlecht zugeben, dass die Ausbootung eines Abwehrspielers von der Güteklasse eines Mats Hummels voreilig erfolgt war.

Der einstige niederländische Nationalspieler Rafael van der Vaart legte im ZDF-Sportstudio den Finger in die Wunde. Wenn Löw Abwehrspieler aussortiere, müssten die Nachfolger deutlich besser sein. „Das sind die nicht.“ Van der Vaarts Prognose: „In zwei, drei Monaten braucht er Hummels wieder.“

Wahl zwischen Halstenberg und Hector

Wenn sich der Niederländer damit nicht im Bundestrainer täuscht, der Hummels vor allem deshalb aussortierte, um die Hierarchien neu zu ordnen. Im Aufbauspiel steht der 30-Jährige immer noch weit vor allen anderen. Angeblich hofft der Dortmund-Rückkehrer immer noch auf ein Comeback, das sich auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke wünscht. Doch eher fängt Löw wieder mit dem Rauchen an, als dass er seinen Entschluss revidiert. Zur Hummels-Causa sei alles gesagt, richtete der 59-Jährige noch vor dem Abflug nach Belfast aus.

Im Windsor Park wird der Bundestrainer seine Elf trotzdem mit einer neuen Hintermannschaft spielen lassen. Wahrscheinlich mit Marcel Halstenberg oder Jonas Hector links hinten. Und wieder mit Viererkette. Dann müsste Löw nur noch Dreierketten-Fan Süle überzeugen. Davon nämlich, dass diese Formation lange zum erfolgreichen Markenkern dieser Mannschaft gehörte.