Methler-Kamen - Etwas mehr als 11.000 Einwohner hat Methler, das seelenruhige Städtchen, das zu Kamen gehört. Hier im Landkreis Unna finden sich an jedem dritten Reihenhäuschen schwarz-gelbe BVB-Fahnen wieder. Aufkleber der Borussia zieren die Mittelklasse-Wagen. „Geht es hier zur Nationalmannschaft?“ fragte ein weiblicher Fan etwas ratlos. Sie gehörte zu den rund 25 Fans, die bei kühlen Temperaturen aber strahlendblauem Himmel die aus Leipzig angereiste deutsche Nationalmannschaft vor dem letzten Länderspiel des Jahres in der Nations League am Montag gegen die Niederlande (20.45 Uhr/ARD) empfingen.

Kurz darauf saß dann einer auf dem Pressepodium im Saal „Rotunde“ des Sportcentrums Kaiserau, den die hiesigen Dortmund-Anhänger wohl eher nicht so gerne sehen: Joshua Kimmich. Der Bayern-Profi hat sich im Kreise des DFB-Teams zum Führungsspieler entwickelt, spielt in den Zukunftsplänen von Bundestrainer Joachim Löw (58) eine ganz entscheidende Rolle.

Hoffnungsträger Kimmich

Der 23-jährige Kimmich – immerhin schon dreifacher Deutsche Meister, Pokalsieger, Confedcupsieger 2017 - zählt mit Spielern wie Niklas Süle, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Leroy Sané, Julian Brandt oder Kai Havertz zu den Gesichtern des neuen deutschen Umbruchs. Kimmich ist einer, der trotz seines jungen Alters Klartext redet, intern auch unangenehme Dinge anspricht. „Ich stehe zu meiner Meinung. Wenn ich etwas sage, dann ist es nicht einfach nur dahergesagt“, sagt der 36-fache Nationalspieler, der seine Blicke alleine schon wegen seines neuen Oberlippenbarts anzieht. „Von den 95er und 96er bin ich am längsten dabei, habe die meisten Länderspiele. Es ist mein Anspruch, voranzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Alles andere wird sich herauskristallisieren.“

Vielleicht ist der gebürtige Baden-Württemberger sogar in Zukunft ein Mann für die Kapitänsbinde? Löw sagt: „Er ist sehr weit, wahnsinnig wissbegierig, denkt unheimlich mit. Er ist sicher einer, der mit seiner Art einen großen Einfluss auf andere Spieler nehmen kann. Und das mit seinen 23 Jahren.“

Kein Larifari-Spiel

Nach dem 3:0 im Test gegen Russland vor vier Tagen will die als Absteiger in die B-Liga der Nations League feststehende deutsche Mannschaft zum Jahresabschluss noch mal nachlegen. „Die Ausgangssituation haben wir uns selbst zuzuschreiben“, sagt Kimmich, „trotzdem wird das kein Larifari-Spiel. Wir nehmen das sehr ernst, unabhängig davon, dass wir als Letzter feststehen.“

Sieht auch Löw so, der den Umbruch mit jungen Spielern weiter vorantreiben will. Schließlich geht es am Montag gegen den Erzrivalen ja noch darum, sich eine gute Ausgangslage für die EM-Qualifikation zu verschaffen. Löw: „Wir müssen den Abstieg akzeptieren und aus dem enttäuschenden Jahr die richtigen Lehren ziehen für die Zukunft ziehen. Island ist hinter uns in der Gesamttabelle, die Polen haben einen Punkt – das Spiel ist also wichtig für uns, um in der Quali in Lostopf 1 zu sein.“