Füllkrug? Warum nicht! Hansi Flick schaut sich nach Alternativen um

Timo Werner ist in der WM-Startelf gesetzt – mangels Alternativen. Oder könnte der Bremer Niklas Füllkrug eine sein? Im Tor jedenfalls steht die Rangfolge fest.

Zwischen Timo Werner und Bundestrainer Hansi Flick (r.) stimmt die Chemie.
Zwischen Timo Werner und Bundestrainer Hansi Flick (r.) stimmt die Chemie.dpa/Federico Gambarini

Es gehört zu den besonderen Pflichten des Bundestrainergeschäfts, nicht nur Fragen nach dem nächsten Spiel beantworten zu müssen, sondern auch nach der nächsten Weltmeisterschaft. Das nächste Fußballspiel für Deutschland findet an diesem Freitag in Leipzig gegen Ungarn statt (20.45 Uhr, ZDF), die nächste Weltmeisterschaft beginnt für die Nationalmannschaft am 23. November gegen Japan. Gegen Ungarn wird Timo Werner nun erst mal den Angriffsführer geben, und so ist es auch für die WM geplant. Aber weil so eine vierwöchige Veranstaltung selten plangemäß verläuft, wäre es zwar eine Überraschung, aber am Ende keine Sensation, wenn Hansi Flick mit seinem Trainerteam übereinkommen würde, beispielsweise Niklas Füllkrug in den 26-Mann-Kader aufzunehmen.

Der Bundestrainer reagierte jedenfalls nicht von vorne herein abwehrend, als er am Donnerstagmittag vor der Abfahrt mit dem Intercity-Express ins schöne Sachsenland sehr konkret auf den Bremer Strafraumstürmer angesprochen wurde. Bei vergangenen Finalturnieren hatten die Nationaltrainer stets nur 23 Akteure berufen dürfen, wegen der Corona-Pandemie lässt die Fifa für die Endrunde in Katar 26er-Kader zu. „Wir haben drei Optionen mehr“, rechnete Flick präzise vor, und deshalb überlegen sie beim DFB umso intensiver: „Welche Eigenschaften brauchen wir in bestimmten Situationen?“

Hansi Flick und seine Wenn-dann-Strategie

Zum Beispiel in einer Situation wie jener bei der WM 2018, als die deutsche Mannschaft im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea unbedingt ein Tor zum Weiterkommen benötigte. Seinerzeit stürmte Innenverteidiger Mats Hummels die letzten zehn Minuten zentral und hatte in dieser kurzen Zeit mehr Chancen als die arg schwächelnden Kollegen in der gesamten Spielzeit zuvor. Allerdings vergab Hummels sämtliche seiner Möglichkeiten und Deutschland schied ruhmlos aus. Joachim Löw hatte seinerzeit den Freiburger Mittelstürmer Nils Petersen noch mit ins Trainingslager nach Südtirol genommen, sich dann aber doch dagegen entschieden, den Edeljoker mit nach Russland zu nehmen. Vielleicht ein Fehler.

Hansi Flick hat das natürlich im Hinterkopf, wenn er doziert, dass er mit seinen Assistenten nach den Spielen gegen Ungarn und am Montagabend in England, über eine „Wenn-dann-Strategie“ noch einmal intensiv nachdenken will. „Wir reden darüber, ob wir Spieler für besondere Momente nominieren sollten.“ Füllkrug, in der aktuellen Bundesliga-Torjägerliste auf Rang zwei, könnte so ein Mann der besonderen Momente werden. Der 29-Jährige hatte dieser Tage in einer Medienrunde um Zurückhaltung in eigener Sache geworben und erläutert, dass es „wenig Sinn ergibt, über solche Sachen dauerhaft zu spekulieren und mich dazu zu befragen. Für mich gibt es da keinen Grund, mich zu äußern“.

Das musste am Donnerstag dann aber Timo Werner tun, der vorgab, ein kopfballstarker Fixpunkt gäbe „uns noch mehr Optionen“, gleichwohl aber auch in eigener Sache warb: Mit ihm selbst vorne sei das DFB-Team „ein bisschen flexibler, wir rotieren dann mehr“. Außerdem habe Flick ihm immer das Vertrauen geschenkt, auch wenn er bei Chelsea nicht so gut gespielt habe, berichtete Werner. Das Wichtigste, was Flick ihm in dieser nicht einfachen Zeit gesagt habe, sei, „dass ich auf meine Stärken vertrauen und fit bleiben soll“. Er habe ihn aber auch in die Pflicht genommen. Seit seiner Rückkehr nach Leipzig nähert sich der Stürmer allmählich seiner Bestform. Flick sieht ohnehin eher das Problem, dass Werner „sehr torgefährlich ist“, der finale Pass aber „zu spät oder gar nicht“ komme.

Das alles klingt verdächtig nach einer aufs Nationalteam runtergebrochenen Bayern-Debatte, wenngleich die Leistungsstärke von Noch-nicht-A-Nationalspieler Füllkrug und Weltstar Robert Lewandowski natürlich eine gewisse Unwucht offenbart. Aber dass Flick ganz nüchtern über eine kopfballstarke Wuchtbrumme als Alternative nachdenkt, ist nur nachvollziehbar.

Bundestrainer Flick muss Fifa ein 50er-Aufgebot schicken

Ehe er am 14. November seinen abschließenden 26-Mann-Kader benennt, muss der Bundestrainer ein 50er-Aufgebot an die Fifa schicken. Das verriet Flick am Donnerstag, und es wäre in der Tat keine Überraschung, wenn dort Namen wie Füllkrug oder Simon Terodde mit auftauchen würden. Viel mehr klassische Strafraumstürmer kommen wohl nicht infrage, Nils Petersen, Sebastian Polter, Philipp Hofmann? Alle wie auch Füllkrug und Terodde nicht mehr die Allerjüngsten und international gewiss keine Schwergewichte.

Das wäre Mats Hummels sicher für die Innenverteidigung, Flick wird das beobachten. Er klingt zurückhaltend: „Wir haben schon zwei Innenverteidiger aus Dortmund im Kader, Mats wäre der Dritte.“ Er sei „gespannt, wie es sich entwickelt“. Niklas Süle, Nico Schlotterbeck, Hummels. Zwei von Dreien dürften es nur nach Katar schaffen.

Keinen Zweifel ließ Flick an der Hierarchie hinter dem an Corona erkrankten Manuel Neuer: André ter Stegen bleibt die Nummer zwei und wird gegen Ungarn das Tor hüten. Der Frankfurter Kevin Trapp muss sich trotz „herausragender Saison“ (Flick) dahinter einreihen.