Berlin - Mehmet Matur ist seit 26 Jahren Mitglied bei Türkiyemspor. In diesen Tagen aber wirkt es, als sei seine Liebe abgekühlt. „So wie es zuletzt gelaufen ist, geht es nicht weiter“, sagt Matur, der lange Jahre Vorstandsarbeit bei Türkiyemspor leistete und Integrationsbeauftragter des Berliner Fußball-Verbandes ist, „wir müssen weg vom Größenwahn. Der Verein muss erst gesund gefahren werden.“ Der einstige Vorzeigeklub der Türken in Berlin steht ausgerechnet zum Ende des Jahres, in dem 50 Jahre Einwanderung türkischer Migranten gefeiert wurde, vor dem finanziellen Kollaps.

Mehr als 600 000 Euro an Verbindlichkeiten – die Insolvenz ist angemeldet. Ob aber der für seine Integrationsarbeit mehrfach ausgezeichnete, bekannteste Migrantenklub Deutschlands noch einmal die Kurve bekommt, hängt von vielen Faktoren ab: Ist überhaupt genügend Masse vorhanden, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen? Nur dann könnte der Verein neu in der Berlin-Liga beginnen. Andernfalls droht ein Niedergang in die Kreisliga, wo 1983 alles begann. Die Zukunft ist fraglich, nachdem das Team jetzt sogar aus der Oberliga zurückgezogen wurde. Insolvenzverwalter Sebastian Laboga will selbst Reisekosten und Miete fürs Stadion nicht mehr bedienen. Mit womöglich fatalen Folgen.

Die Spieler werden sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen, wohl auch viele der spielstarken A-Junioren. Und das, obwohl im Sommer ein konkurrenzfähiges Team aufgestellt werden müsste. Doch es scheint, als bewege selbst langjährige Begleiter das kaum noch. „Wir sind alle sehr enttäuscht von der Entwicklung rund um die Männermannschaft“, sagt Matur: „Die können von mir aus auch in der Landesliga neu starten. Uns geht es vor allem darum, dass die Kinder geschützt werden.“ Das hat Laboga zugesagt. Der Rückzug aus der Oberliga gilt als erstes Signal, dass es vor allem um den Erhalt der Jugendabteilung mit 400 Mitgliedern geht. Matur sagt: „Es gibt einige wie mich, die jeden Monat 500 Euro geben würden, aber nur für die

Jugend und die Frauenabteilung.“ Aussagen, die zeigen, wie tief die Kluft im eigenen Verein ist. Während die Eltern der kickenden Kinder zuletzt zwangsverpflichtet wurden, die einheitliche Sportausrüstung selbst zu bezahlen, sogar Trikotsponsoren aufzutreiben, wurde für Halbprofis weiter viel Geld ausgegeben. Matur spricht von „utopischen Zielen, für die Mittel verschwendet wurden“. So war die Rückkehr in die Regionalliga, aus der man im Sommer mit nur zwei Zählern abgestiegen ist, das große Thema für den Vorstand. Gerüchte von einer Übernahme durch türkische Erstligisten wie Besiktas waberten durch den Verein. Obendrein, so Matur, hätten Verantwortliche seit Monaten mit einer Fusion geliebäugelt – ausgerechnet mit dem Berliner AK.