Ob eine Aktion als gut oder schlecht zu gelten hat, ist eine Frage der persönlichen Einschätzung. So verhält es sich im Sport, so verhält es sich auch in der Politik. Kritisch wird es, wenn sich beide Bereich miteinander vermischen.

Am Montagabend (Ortszeit) haben Brasiliens Fußball-Erstligisten EC Bahia und Ceara SC einen Sachverhalt bewertet. Sie demonstrierten gegen eine der größten Umweltkatastrophen, die das südamerikanische Land je erlebte: eine Ölpest, sie betrifft die Strände in neun Bundesländern, darunter auch die Regionen, aus denen die beiden Fußballklubs stammen. Die Gastgeber aus Bahia trugen auf ihrem Trikot große schwarze Flecken. Die vom Ceara-Team aus Fortaleza steckten bei der traditionellen Nationalhymne vor der Partie ihre rechte Faust in schwarze Handschuhe; an das Vereinsemblem auf der Brust gehalten, war auch das eine Demonstration.

Der Grund für die Umweltkatastrophe wurde bislang nicht gefunden. Die Ursachen sind deutlich spürbar: für die Natur, für die Menschen somit. Und weil Fußballspieler und Fans Menschen sind, ist ein Protest verständlich. Zumal bei einer Ölpest die Meinungen wohl kaum auseinander gehen dürften. Sie ist schlecht, das ist Konsens.

Debatte über Militär-Gruß

Vor anderthalb Wochen hat es im europäischen Fußball eine Demonstration gegeben. Türkische Nationalspieler haben mittels militärischem Salut auf die Intervention ihres Heimatlandes im Syrischen Grenzgebiet aufmerksam gemacht. Sei es aus Solidarität für den Militärschlag oder für jene Soldaten, die ihn auszuführen hatten und dadurch ihr Leben riskierten. De Beweggründe mochten von Nationalspieler zu Nationalspieler variieren, die politische Botschaft als solche war jedoch klar erkennbar. Die Meinungen dazu gingen weit auseinander.

Mündige Sportler sind wünschenswert, zumindest politisch interessierte und positionierte Athleten. Sie sollen ihre Meinung äußern, sollen durchaus Debatten befeuern mit Argumenten, die eine demokratische Streitkultur bereichern.

Für einen politischen Diskurs gibt es allerdings andere Foren als das Stadion. Sie sollen im Idealfall dafür sorgen, dass auch die Stimme von Menschen Gewicht bekommt, die nicht auf einer derart großen Bühne stehen wie etwa ein Fußballnationalspieler.

Die Geste der Akteure aus Ceara, der schwarze Handschuh, erinnerte an die Siegerehrung bei den Olympischen Spielen 1968, als schwarze US-Athleten bei der Siegerehrung die rechte Faust in den Himmel reckten. Dieser Protest war deshalb wirkungsvoll, weil neu. Wie jetzt in Brasilien, so ging es damals in Mexiko-Stadt ebenfalls um ein drängendes Problem.

Wobei auch die Frage, was drängend ist und was nicht, eine Frage der persönlichen Definition ist. Ist jedenfalls der eine Protest zulässig, muss es der andere auch sein. Ein Sport aber, der von politischen Botschaften überzogen wird, verliert den Kern seiner Daseinsberechtigung aus dem Blick: die sportliche Leistung.