Dänemarks Verbandspräsident denkt laut über einen Austritt aus der Fifa nach

Das Verbot der „One Love“-Binde hat die Dänen bestärkt, mit den nordischen Nachbarn gegen den Weltverband zu opponieren. Doch die Macht der Europäer ist gering.

Dänische Fans feiern in Katar auf den Tribünen. Der Präsident ihres nationalen Fußballverbandes erhöht unterdessen den Druck auf Fifa-Chef Gianni Infantino.
Dänische Fans feiern in Katar auf den Tribünen. Der Präsident ihres nationalen Fußballverbandes erhöht unterdessen den Druck auf Fifa-Chef Gianni Infantino.imago/Bratic

Noch nie zuvor bei einer Fußball-WM wurde auf derart vielen Spielfeldern agiert, auf dem Rasen sowieso, vor allem aber in Hinterzimmern. Die Diskussionen, die sich jüngst vorwiegend um die „One Love“-Binde drehten, die am Dienstag die deutsche Innenministerin Nancy Faeser sowie die belgische Außenministerin Hadja Lahbib im Stadion vor den Augen von Fifa-Impresario Gianni Infantino um den Arm trugen, bleiben Thema. Vor allem in Dänemark, das am Sonnabend auf Frankreich trifft (17 Uhr).

Jesper Möller, Chef der Dansk Boldspil-Union (DBU) erklärte gar, über einen Austritt aus der Fifa nachzudenken. The Athletic sagte er: „Das ist keine Entscheidung, die wir jetzt getroffen haben. Unsere Position ist schon seit langem klar. Wir haben das im Norden seit August diskutiert.“ Nun sei der Zeitpunkt gekommen, die Überlegungen zu vertiefen. Möller könne sich zwar vorstellen, „dass es Herausforderungen geben könnte, wenn Dänemark von sich aus geht. Aber mal sehen, ob wir nicht einen Dialog über die Dinge führen können. Ich muss über die Frage nachdenken, wie das Vertrauen in die Fifa wiederhergestellt werden kann“. Man müsse man eine Strategie entwickeln, auch mit den nordischen Kollegen. Gemeint ist vor allem Norwegen, dessen Team sich zwar nicht für die WM qualifizierte, deren Verbandschefin Lise Klaveness aber bereits im Frühjahr bei einem Fifa-Kongress als mutigste Kritikerin des Weltverbandes und von Infantino aufgetreten war.

Die Dänen sind in Gesprächen mit dem DFB

Nach einem Austritt dürfte Dänemark wohl nicht mehr an von der Fifa ausgerichteten Wettbewerben teilnehmen, auch nicht an Weltmeisterschaften. Es blieben die Titelkämpfe des europäischen Verbands Uefa, EM und Nations League. In Telefonschalten und Hinterzimmern wird in Katar um Verbündete gebuhlt, auch der Deutsche Fußball-Bund ist in Gesprächen mit der DBU. Doch: Ihre Macht ist beschränkt.

Bei der nächsten Präsidentschaftswahl der Fifa am 16. März 2023 hat Infantino keinen Gegenkandidaten, seiner dritten Amtszeit steht nichts im Wege. Zumal sich der 52-Jährige der Unterstützung der großen Konföderationen aus Asien und Afrika sicher sein darf. Gewählt wird von bis zu 211 Mitgliedsverbänden.

„Wir müssen jetzt reagieren. Wir müssen sehen, ob es doch noch einen neuen Kandidaten gibt“, entgegnet DBU-Boss Möller. Bloß: Die Frist für Bewerbung ist abgelaufen. Immerhin: In Dänemark, Norwegen und Deutschland haben drei Verbände verkündet, Infantino im kommenden Jahr nicht zu unterstützen. „Darauf möchte ich deutlich hinweisen“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf.