So, jetzt beruhigen wir uns wieder, atmen tief ein, tief aus, und nehmen ganz entspannt einen Taschenrechner zur Hand. Der Deadline Day ist nämlich zu Ende, das Transferfenster, das bis Mittwochabend noch auf Kipp stand, endlich zu. Keine Null kommt mehr rein. Und es waren verdammt viele Nullen unterwegs in diesem Sommer.

Beginnen wir mit einer einfachen Addition: Die sechs größten Fußballligen Europas haben etwa 3,6 Milliarden Euro in neue, teilweise auch bereits gebrauchte Spieler – etwa das Auslaufmodell  Götze – investiert. Reihenfolge: die Premier League gab 1,4 Milliarden aus (was nur so zum Vergleich in etwa dem Betrag der Aufbauhilfe für die Schäden der Elbflut vor drei Jahren entspricht), die Serie A 700 Millionen (genauso viel Geld will die EU bis 2018 für ihre Flüchtlingskrisenbewältigung ausgeben), die Bundesliga 547 Millionen (ähnlich viel investiert die Bahn in sichere Züge und Bahnhöfe), die Primera Division 472 Millionen (etwas weniger groß ist die Finanzierungslücke im nächsten Haushaltsplan von Sachsen-Anhalt), Englands Zweite Liga (!) Football League Championship 247 Millionen (so viel kostet in etwa die Bremer Landesbank) und die Ligue 1192 Millionen (das sind immerhin 60 Prozent mehr, als die Deutschen im vergangenen Jahr für Produkte zur Interdentalreinigung ausgegeben haben, also für saubere Zahnzwischenräume).

100.000 neue Kitaplätze

Die Zweite Bundesliga hat sich übrigens nur für lächerliche 31,5 Milliönchen Euro verstärkt. Das wiederum entspricht 0,33 Pogba. Zur Erinnerung: 1 Pogba = 105 Millionen Euro. Bedeutet: Alle achtzehn Zweitligisten zusammen – Rechnung für Fortgeschrittene – könnten sich  nur einen nahezu vollständig dehydrierten Pogba leisten.

Um ein anderes Bild davon zu bekommen, in welch lebensfeindlicher Umgebung wir uns hier bewegen: Der Betrag von 3.600.000.000 Euro, am Bankschalter in kleinen, nicht nummerierten 100-Euro-Scheinen ausgehändigt, hätte ein Gewicht von 36,7 Tonnen oder 295 Goldbarren oder fünf afrikanischen Elefantenbullen, die man mit 23 Gabelstaplern des Typs FS 1,6 nach Hause transportieren müsste. In die Höhe gerechnet ergäbe das einen Geldstapel von 3,6 Kilometern, was etwa zehn Berliner Fernsehtürmen entspricht oder 1885 voll im Saft stehenden Pogbas.

Und was ließe sich sonst noch so mit all dem vielen Geld anstellen? Dem Bildungsmonitor 2016 zufolge würde die Gesamttransfersumme in etwa reichen, um  im kommenden Jahr 100.000 Kita- und 200.000 Schulplätze zu schaffen, um 30.000 Lehrkräfte einzustellen und 120.000 jugendlichen Flüchtlingen eine Ausbildungsmöglichkeit zu geben.

Ein deutscher Durchschnittsverdiener (Jahreseinkommen ca. 35.000 Euro) müsste dafür und allein 102.857 Jahre arbeiten – aber nur, wenn er den  neuen Applesteuersatz (ein Appel & ein I) bezahlen darf. Pogba (ca. 17,7 Millionen) würde das in 203 Jahren schaffen – und könnte seine Karriere danach noch locker  ein, zwei Jährchen lang auf Drittliganiveau ausschwitzen.

Aber bleiben wir realistisch. Das Geld ist gut angelegt. Und wenn nicht, dann kann schon im Winter wieder nachgekauft werden.