Der FC Bayern, natürlich. Giulia Gwinn wechselt zum FC Bayern, der damit ein Klischee zu bestätigen scheint: Dass er auf dem deutschen Fußballmarkt alle verpflichtet, die nachhaltig beeindrucken. Giulia Gwinns Transfer stand allerdings schon vor dem Wochenende fest. Vor dem Sieg ihrer deutschen Nationalelf bei der WM gegen China, dem 1:0 per Vollspann in der 66. Minute.

Ein beeindruckendes Tor war es dennoch und nachhaltig nicht nur deshalb, weil es die Deutschen vor einem Fehlstart in Frankreich bewahrte. Giulia Gwinn steht für die Ankunft einer neuen Generation auf der großen Bühne, und es ist sicher kein Zufall, dass die 19-Jährige in Freiburg fußballerisch sozialisiert wurde. Beim SC, jenem Klub, der die meisten Spielerinnen des aktuellen deutschen WM-Kaders ausbildete. 

"Auf die Socken bekommen"

Giulia Gwinn hat im Breisgau vor allem eins gelernt: Vielseitigkeit. Gegen China wechselte sie nach der Pause von der offensiven Außenposition in die der linken Verteidigerin. Sie gab auch dort Impulse, setzte Akzente in vertrackter Lage, tat in ihrem erst neunten Länderspiel das, was die routinierten Teamkolleginnen hätten leisten müssen. Denn sie hat ein Talent, das im Fußball oft mehr wert ist als ein strammer Schuss per Vollspann. Sie ist eine Problemlöserin. Sie entschlüsselt scheinbar ausweglose Situationen, verwandelt Druck in eine Idee.

 Dann, wenn sie „viel auf die Socken bekommt“, wie Giulia Gwinn es nach dem Auftaktspiel formulierte. Sie will aktiv sein, immer, mit und ohne Ball. Dass sie ihr Tor als Verteidigerin erzielte, ist bezeichnend, auch wenn sie selbst später meinte: „Das gelingt mir kein zweites Mal.“

Hinweis auf Instagram

Da hatte sie gerade die Auszeichnung „Spielerin des Spiels“ erhalten. Diese Ehre war ihr schon zur Premiere bei der U17-WM 2016 und der U20-WM 2018 zuteil geworden. Nun gelang ihr das Kunststück, als Teenager ein Tor für eine deutsche A-Auswahl bei einer Weltmeisterschaft zu erzielen. Nur Birgit Prinz und Ariane Hingst hatten das vorher geschafft.

Es gibt ein Foto von Giulia Gwinn, das sie schon vor ihrem Tor auf Instagram gepostet hat, das aber passt, weil es vor übereilten Superlativen zu warnen scheint. Darauf hält sie den Zeigefinger vor den Mund. Bleibt mal ruhig, könnte das heißen und sich auf Erwartungen beziehen, die nun in München aufkeimen. Nicht immer haben sie mit Fußball zu tun. Ein Boulevardblatt informierte die Leserinnen und Leser über Giulia Gwinn so: „Sie erfreut die Fans auch bei Instagram mit heißen Fotos.“ Ganz ohne Klischee funktioniert der Wechsel zum FC Bayern wohl doch nicht.