In guten wie in schlechten Zeiten: Christian Gentner und Christopher Trimmel gut gelaunt. Beim 1. FC Union wollen alle auch in der harten Zeit zusammenstehen.
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BerlinAuf dem Handy-Display waren Köpfe zu sehen, die miteinander redeten. Der Kopf von Christopher Trimmel etwa, er sprach am meisten. Der Kapitän des 1. FC Union beantwortete bei einer Videokonferenz Medienvertreten Fragen zu den Auswirkungen der Coronakrise auf den Fußball-Bundesligisten. Der 33 Jahre alte Verteidiger hält sich in Berlin mit Lauf- und Krafttraining fit. Das war von allgemeinem Interesse, und auch um die wichtigste Frage drückte sich der Österreicher keinesfalls.

Fans vermissten ein klares Bekenntnis

So mancher Fan hatte ein klares Statement der Union-Profis vermisst, wegen der Krise auf Gehalt zu verzichten, was Spieler vieler anderer Vereine längst abgegeben hatten. Bei den Eisernen hatte dies nur Torwart Rafal Gikiewicz getan. Doch nun ist das von allen der mehr als 30 Kaderspielern zu erwarten. „Der Mannschaftrat hatte vom ersten Tag an eine sehr gute Kommunikation mit dem Verein. Jeder ist bereit, dem Verein zu helfen. Anders geht es nicht“, erklärte Trimmel. „Ich kann so viel sagen und damit die Leute beruhigen, dass auch wir als Mannschaft die Solidarität hoch halten werden.“

Trimmel weiß, dass den rund 200 Vereinsmitarbeitern zwar betriebsbedingte Kündigungen erspart bleiben sollen, aber Kurzarbeit angesagt ist. Er hat realisiert, dass der Klub ohne Fußball im Stadion An der Alten Försterei nur wenige Einnahmen erwarten kann. „Natürlich macht man sich seine Gedanken und hofft, dass kein Mitarbeiter Probleme bekommt. Aber ich kann da jeden beruhigen. Wir unterstützen uns gegenseitig, Schulter an Schulter.“ Wie in der Vereinshymne.

Auch Führungskräfte sowie Mitarbeiter des Klubs und seiner Tochtergesellschaften haben Kurzarbeitsregelungen zugestimmt, was mit Gehaltseinbußen einhergeht. „Diese Bereitschaft kann man allen Beteiligten gar nicht hoch genug anrechnen“, sagte Präsident Dirk Zingler.

Christopher Trimmel gehört zu jenen Akteuren, die in Köpenick einen Vertrag über das Saisonende hinaus besitzen. Er telefonierte aber auch mit Mitspielern, deren Kontrakt zum 30. Juni 2020 ausläuft. Bei ihnen verspürte Trimmel schon eine gewisse Unsicherheit. Das trifft allerdings  allgemein zu. Vielleicht muss die Spielzeit wegen der Corona-Krise ja auch über das offizielle Saisonende hinaus verlängert werden. Trimmel erhofft sich diesbezüglich eine Solidarität zwischen den Vereinen.

Trimmel hält es nicht für ideal, dass die Bundesligen so anhängig vom TV-Geld sind. Für ihn wäre es das Schlimmste, wenn die Saison abgebrochen werden müsste. Seinen Optimismus hat der Nationalspieler Österreichs aber nicht verloren: „Die meisten gehen davon aus, dass die Saison fertiggespielt wird, wenn auch ohne Zuschauer.“