FrankfurtSchon der Ort des Treffens betont den elitären Charakter: Wenn die Bosse der 15 eingeladenen Profiklubs am Mittwoch im Frankfurter „Airport Club“ die drängenden Fragen des deutschen Fußballs erörtern, sind sie von Luxus umgeben. Glitzernde Kronleuchter, Möbel aus Edelholz und exquisites Essen erwartet die Bosse in den Räumlichkeiten. Das fragwürdige Ambiente für ein Treffen in Krisenzeiten sorgt allerdings weniger für Aufregung als die Ausbootung der 21 restlichen Vereine, die draußen bleiben müssen.

Vor allem die ausgebliebene Einladung von Initiator Bayern München an die Bundesligisten FC Augsburg, Arminia Bielefeld, FSV Mainz 05 und VfB Stuttgart darf als Strafmaßnahme gedeutet werden. Schließlich waren es diese Klubs, die sich zuletzt gemeinsam mit zehn Zweitligisten in einem Positionspapier für eine Umverteilung der Medieneinnahmen von oben nach unten ausgesprochen haben.

Da es bei den eingeladenen Klubs aber auch Befürworter einer Umverteilung gibt (Werder Bremen, SC Freiburg, 1. FC Köln), kam bereits Kritik am Format der Zusammenkunft auf, an der Spitzenreiter Hamburger SV als einziger Zweitligist teilnehmen wird. „In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen und im Sinne der Solidarität hätten wir uns gewünscht, dass alle Bundesligisten eingeladen werden“, sagte der Bremer Sportchef Frank Baumann dem „kicker“.

Ähnlich sehen es die nicht eingeladenen Mainzer, die nicht nur den schlechten Stil kritisieren. Es sei „legitim, dass man sich austauscht“, aber ein „merkwürdiges Verhalten, wenn Teile der Liga ausgeschlossen“ würden, kommentierten die Rheinhessen in der „Frankfurter Rundschau“ das Treffen. Finanzvorstand Jan Lehmann fügte hinzu, dass das fragliche Positionspapier zwar im kleineren Kreis erarbeitet worden ist – jedoch seien alle Klubs darüber informiert worden.

Die Mediengelder sind die mit Abstand größte Einnahmequelle der Vereine, die sich am 7. Dezember zu ihrer Vollversammlung treffen wollen. Es geht um die Verteilung der Erlöse ab der kommenden Spielzeit. Für die Rechte im deutschsprachigen Raum hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) 1,1 Milliarden Euro pro Saison erzielt, die internationalen Einnahmen werden wohl bei 250 Millionen Euro liegen.

Machtkampf im DFB hat sich zugespitzt

Wie die Medienerlöse tatsächlich aufgeteilt werden, liegt nicht in den Händen der Klubs. Entscheiden wird das DFL-Präsidium um den scheidenden Chef Christian Seifert. Bis zum Jahresende soll in dem neunköpfigen Gremium, in dem die kleinen und mittleren Klubs seit dem vergangenen Jahr die Mehrheit stellen, ein Ergebnis erzielt werden.

Den „G15“ geht es am Mittwoch aber nicht nur um die Mediengelder. Auch Beratungen über die Nachfolge Seiferts, der im Juni 2022 aufhören will, stehen zur Debatte. Formell ist der DFL-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Peter Peters genau wie Seifert nicht zu dem Treffen eingeladen wurde, dafür zuständig. Das gilt auch für die Frage, ob es künftig einen Chef geben oder die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden soll.

Wohin der Weg des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) führen wird, wollen die Vereinsverantwortlichen ebenso besprechen. Die seit Jahren anhaltende Krise des Verbandes, die sich zuletzt mit dem Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius weiter zugespitzt hat, bereitet zunehmend Sorge. In Frankfurt wird eine Rückendeckung für den reformwilligen Keller erwartet. Positionieren wollen sich die Geladenen auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie, die das unseriöse Wirtschaften zahlreicher Klubs aufgedeckt hat und deren Existenz bedroht.