Wer beobachtet hat, wie Wesley Sneijder vor einer Woche von tausenden Galatasaray-Fans bei seiner Ankunft in Istanbul am Flughafen empfangen wurde, der ahnt, was los ist, wenn bald Didier Drogba am Bosporus landen wird. Als Sneijder den Flughafen verließ, schafften es Fanatiker trotz großen Polizeiaufgebots, das Dach des Wagens zu erklimmen und den Heilsbringer zu berühren. Nun also noch Drogba!

Seit Montagabend ist der 34-jährige Mittelstürmer Spieler des türkischen Meisters, der im Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League am 20. Februar den FC Schalke empfängt. Am Rande des Afrika-Cups unterschrieb der Mann von der Elfenbeinküste einen Vertrag bis Ende Juni 2014. Drogba kommt ablösefrei aus Schanghai, wohin er erst im Sommer vom FC Chelsea nach dem Champions-League-Sieg gegen den FC Bayern gewechselt war − er ist gegen Schalke spielberechtigt.

Am Samstag gewann die Mannschaft von Trainer Fatih Terim beim Debüt von Sneijder das Spitzenspiel gegen den Stadtrivalen Besiktas mit 2:1 und baute die Tabellenführung in der Süperlig auf fünf Zähler aus. Die Fans feiern Sneijder, 28, als „neuen Hagi“ und das neue Galatasaray als neues Dream-Team. Der Rumäne Gheorghe Hagi war die prägende Figur beim Uefa-Pokalsieg Galatasarays im Jahr 2000, dem bisher einzigen europäischen Triumph eines türkischen Teams. Sneijder nahm den Hagi-Vergleich gleich auf: „Ich will wie er hier eine Legende werden.“

Dem Galatasaray Spor Kulübü gelangen mit den Verpflichtungen von Sneijder und Drogba die zwei spektakulärsten Transfers dieses Winters. Bei einem Blick auf die Entlohnung wird für Außenstehende der Wechsel der Weltstars in die von Manipulationsskandalen erschütterte Süperlig verständlicher. Der börsennotierte Verein musste die Zahlen an der örtlichen Börse offenlegen: Der ablösefreie Drogba erhält demnach vier Millionen Euro Handgeld für den Wechsel, für diese Rückrunde kassiert er zwei Millionen Euro Grundgehalt, für die kommende Saison vier Millionen. Hinzu kommt eine Auflaufprämie von 15 000 Euro pro Partie.

Der Trainer will Kaká

Für Sneijder, dessen Vertrag bis Ende Juni 2016 läuft, zahlte Galatasaray 7,5 Millionen Euro Ablösesumme an Inter, der Holländer bekommt außerdem für den Rest dieser Runde zwei Millionen Euro Grundgehalt, sowie in den darauffolgenden Spielzeiten ein Fixum von je 3,2 Millionen pro Jahr. Sein Handgeld von 3,9 Millionen wird in drei Tranchen fällig. Pro Einsatz kassiert er 25 000 Euro. Seine Einsatzprämie darf aber 500 000 Euro pro Jahr nicht übersteigen. Alles netto.

Gerade der Wechsel Sneijders gibt Einblicke in das innere Machtgefüge türkischer Spitzenklubs: Ein Insider erzählt, Trainer Terim hätte viel lieber den Brasilianer Kaká von Real Madrid statt Sneijder verpflichtet, musste sich aber dem reichen Präsidenten Ünal Aysal und dessen Berater Bülent Tulun beugen.