Berlin - Dänemarks Nationaltrainer hat jetzt einen neuen Spitznamen. Nach der bemerkenswert souveränen Qualifikation für die Fußball-WM machte die Zeitung Ekstra Bladet aus Kasper Hjulmand kurzerhand Kasper Ølmand, was übersetzt in etwa heißt: der Bier-Mann.

Der frühere Trainer von Mainz 05 war nach dem 1:0-Sieg gegen Österreich von seinen Spielern derart ausgiebig mit Bier übergossen worden, dass dagegen selbst die Jubelbilder der erfolgreichen Europameisterschaft im Sommer beinahe verblassten. Acht Spiele, acht Siege, null Gegentore: Keine andere Nationalmannschaft dieses Planeten hat in den diversen Qualifikationsrunden zur WM 2022 in Katar eine derart makellose Bilanz. „Ganz Dänemark kann stolz auf diese Jungs sein“, sagte Hjulmand. Für ein so kleines Land sei es „sehr schwer, zu einer WM zu kommen. Das ist ein tolles Geschenk für den Verband, für die Talentförderung, für die Profivereine und für diese Spieler, die auf einem so hohem Niveau gespielt haben“.

Dieses Jahr ist so etwas wie das Jahr des dänischen Fußballs. Zum ersten Mal war man 2021 der Co-Gastgeber eines großen Turniers, zum ersten Mal seit dem EM-Triumph vor 29 Jahren erreichte man dabei auch wieder ein Halbfinale. Der dänische Kapitän Simon Kjaer gehört zu den Nominierten für die Weltfußballer-Wahl. Und der Durchmarsch zur WM im nächsten Jahr rundete das alles am Dienstagabend noch ab.

All diese großen Erfolge sind aber kaum zu erklären ohne die Wirkung des schlimmsten Moments: Gleich während des ersten EM-Spiels am 12. Juni gegen Finnland brach Dänemarks bester Spieler Christian Eriksen im Parken Stadion von Kopenhagen zusammen und musste noch auf dem Rasen wiederbelebt werden. Wie sich alle anderen Spieler an jenem Tag vor ihn stellten und mit diesem Schock umgingen, brachte den Dänen nicht nur am Dienstagabend einen Preis des Internationalen Fairplay-Komitees ein. Das schweißte eine ganze Mannschaft und ein ganzes Land ganz eng zusammen. „Von Nord nach Süd, von Ost nach West: Das ist unsere Nationalmannschaft“, sagte Hjulmand nach dem Österreich-Spiel stolz. „Daran haben so viele einen Anteil.“

Den größten Anteil hat aber wohl der 49-Jährige selbst. Hjulmand half seinen Spielern nicht nur, das Eriksen-Drama zu verarbeiten. Er richtete seine Mannschaft ohne ihren einzigen Ausnahmespieler auch innerhalb kurzer Zeit neu aus. Erfahrene Spieler wie Kjaer (32, AC Mailand) und Kasper Schmeichel (34, Leicester City), Top-Talente wie Mikkel Damsgaard (21, Sampdoria Genua) oder Mohamed Daramy (19, Ajax Amsterdam): „Wir haben eine Gruppe und eine Mentalität aufgebaut, die unglaublich gut ist“, sagte Kjaer. „Und wir sind gierig, uns immer weiter zu verbessern. So können wir es weit schaffen.“