Berlin - Wenige Minuten nach dem Spiel mussten alle erst einmal durchatmen. Die Füchse Berlin hatten dem großen Druck standgehalten. Im Viertelfinal-Rückspiel der European League hatten sie Montpellier nicht nur mit 31:23 deutlich geschlagen, sondern dabei auch über weite Strecken eine überzeugende Leistung gezeigt. Im richtigen Moment bot die Mannschaft den wohl besten Auftritt in diesem Kalenderjahr und darf damit weiter von einem Titel träumen. Die meisten Glückwünsche nahm Hans Lindberg entgegen. Mit zwölf Toren bei zwölf Würfen war er der Mann des Spiels.

Volle 60 Minuten für Hans Lindberg

Die vollen 60 Minuten hatte der 39-jährige Däne auf dem Feld gestanden und war nicht nur wegen seines gehobeneren Handballer-Alters „total platt“, wie er schwer atmend sagte. Wochenlang hatte er durch eine Covid-19-Erkrankung aussetzen müssen, ist erst wieder seit wenigen Spielen dabei. Nach den harten Wochen „bin ich überrascht, dass ich durchspielen konnte“, sagte der Rechtsaußen. Seine Tore hatten den Berlinern vor allem in der Bundesliga gefehlt und sollen im Endspurt dazu beitragen, dass sich die Füchse am 22. und 23. Mai im Final Four in Mannheim den Traum von einem Titel erfüllen können. „Das hier ist hoffentlich eine Wende für uns“, so Lindberg.

Denn die vergangenen Wochen waren hart. „Wir hatten viele Probleme, viele Verletzte, Leute mit Corona“, erzählte der Däne. Dass in dieser Zeit so viele Spiele verloren gingen, manchmal auch nur sehr knapp, „das tut weh, das nimmt auch viel Energie“, so Lindberg, „genau wie es andersrum viel Energie gibt, wenn es gut läuft.“ Am Dienstagabend ist es mal wieder gut gelaufen, richtig gut sogar. Mal abgesehen von der kleinen Schwächephase in der ersten Halbzeit, als die Füchse einen Sechs-Tore-Vorsprung fast verspielten, zeigte nicht nur Hans Lindberg eine tolle Leistung. Dejan Milosavljev gab der Mannschaft insbesondere nach dem Seitenwechsel mit seinen Paraden und im Verbund mit der gut funktionierenden Abwehr die Stabilität, die es braucht, um solche Spiele zu gewinnen. Der 21-jährige Tim Matthes zeigte, dass er auf Linksaußen mehr als eine Alternative zum weiterhin fehlenden Milos Vujovic ist. Matthes erzielte sechs Tore und blieb genau wie Lindberg ohne Fehlversuch.

Erst am 6. Mai geht es bei den Rhein-Neckar Löwen weiter

Seit längerer Zeit war es den Füchsen insgesamt mal wieder gelungen, die Fehlerquote niedrig zu halten, nur selten ergaben sich für Montpellier damit einfache Möglichkeiten durch Tempogegenstöße. „Wir müssen die guten Momente mitnehmen und das hier ist ein guter Moment für die Mannschaft“, sagte Hans Lindberg. Fast schade, dass er mit seiner Mannschaft jetzt unfreiwillig ein paar Tage frei hat. Die Bundesliga-Partie gegen Coburg musste nach einem Coronafall bei den Gästen abgesagt werden. Erst am 6. Mai geht es bei den Rhein-Neckar Löwen weiter. Immerhin etwas Zeit zum Durchatmen.