Gegen Lichtenberg 47: Union Berlin gewinnt sinnloses Testspiel

Ein über weite Strecken müder Kick, der zu allem Überfluss auch noch von einem heftigen Platzregen begleitet wurde, weshalb zur Halbzeit knapp die Hälfte der 1100 zahlende Zuschauer die unüberdachten Ränge schon wieder verlassen hatte.

Zudem tendierte der sportliche Erkenntniswert gegen Null. Für Union war es ein Spiel zwischen den Trainern. Der bisherige Chef Norbert Düwel musste am Montag gehen, seinen Nachfolger wollen die Eisernen erst heute um 11.30 Uhr bekanntgeben. Sollte es nicht noch eine große Überraschung geben, heißt der Sascha Lewandowski.

Im Stadion in Lichtenberg war der neue Trainer jedoch noch nicht zugegen. Und so übernahmen die bisherigen Co-Trainer André Hofmann und Sebastian Bönig einmalig die Regie. Sie rotierten kräftig, brachten gegenüber dem Spiel gegen Leipzig sieben neue Spieler. Doch tat sich Union gegen sicher verteidigende Gastgeber schwer, zu Torchancen zu kommen. Lediglich zwei waren es bis zum Seitenwechsel: ein Kopfball von Toni Leistner und ein Freistoß von Kapitän Damir Kreilach.

Erst als nach der Pause die Kräfte beim Oberligisten nachließen und Union frische Kräfte einwechselte, konnten Adrian Nikci, Sören Brandy, zwei Mal Raffael Korte und Bajram Nehibi das standesgemäße, aber in dieser Höhe unverdiente Endergebnis herausschießen.

Interimstrainer André Hofschneider wusste um die Bedeutungslosigkeit der Partie. „Wichtig ist jetzt, das morgen der neue Trainer vorgestellt wird, damit unsere Bilanz bei ungeschlagen bleibt“, scherzte er. Den Namen des Neuen kenne er aber noch nicht, behauptete Hofschneider. Kontakt habe es noch nicht gegeben.

Der 45-Jährige besitzt bei Union einen unbefristeten Vertrag, dennoch ist sein Verbleib durch den Trainerwechsel ebenso ungeklärt wie der von Kollege Bönig. Erst nach der offiziellen Vorstellung am späten Vormittag soll es hierzu ein Gespräch geben.

Sollte Lewandowski übernehmen, würde sich bei Union zum dritten Mal in dieser Saison die Systemfrage stellen. Präferierte Düwel nach dem gescheiterten Versuch einer Dreikette zuletzt ein 4-1-4-1, ließ der bisherige Jugendcheftrainer von Bayer Leverkusen während seiner Zeit als Chefcoach der Werkself ein zweikampfintensives 4-3-3 mit drei Sechsern spielen, mit dem Ziel nach Ballgewinnen schnelle Konter setzen zu können.

Dieses System wäre bei Union denkbar, denn auf wenig Positionen sind die Eisernen so gut besetzt wie auf der Sechs. Auch schnelle Außen stehen im Kader, wenngleich Stammspieler Maximilian Thiel wegen eines Muskelfaserrisses vorerst ausfällt. Mangel besteht lediglich an einem durchsetzungsfähigen Mittelstürmer: Bobby Wood konnte bisher noch nicht wirklich überzeugen, Colin Quaner fiel gegen Lichtenberg vor allem durch seine Steifheit auf.

Erste Rückschlüsse, wie der neue Trainer, künftig zu spielen gedenkt, lassen sich vielleicht bereits heute ab 19 Uhr ziehen: Dann treten die Köpenicker im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion gegen Regionalligist Babelsberg 03 an.