Manchmal kann so eine Dummheit eine Mannschaft ziemlich durcheinanderbringen. Wobei es in diesem Fall genau genommen eine doppelte Dummheit war: Erst fasste Roberto Puncec seinem Gegenspieler Elia Soriano im Zweikampf ins Gesicht. Dann fasste Roberto Puncec acht Minuten später seinem Gegenspieler Elia Soriano im Zweikampf ins Gesicht. Beide Male wurde der Innenverteidiger des 1. FC Union mit einer Gelben Karte bestraft, die Berliner mussten daher die ganze zweite Spielhälfte mit zehn gegen elf Spieler agieren.

Puncec ahnte Böses, lehnte nach dem Platzverweis am Geländer, das hinunter zur Kabine führt, starrte auf den Platz, auf dem die letzten Sekunden bis zum Halbzeitpfiff verrannen. Würden die Kollegen die Führung aus der Hand geben und wegen seiner Ungeschicklichkeit Punkte im Aufstiegsrennen verschenken?

Doch die zehn verbliebenen Kollegen brachte die unerwartete Zusatzschwierigkeit nicht im Geringsten durcheinander. „Wir haben eine so gute Mentalität in der Mannschaft, dass wir das auch in Unterzahl reißen können“, sagte Daniel Mesenhöler hinterher.

Das 2:0 (1:0) gegen die Würzburger Kickers war allerdings nicht nur der kollektiven Mentalität zu verdanken, sondern auch der individuellen Ruhe Mesenhölers. Dem 21-Jährigen oblag es, am Freitagabend den verletzten Jakob Busk im Union-Tor zu vertreten. Busk hat seit seiner Verpflichtung im Winter vor einem Jahr nur in einem Ligaspiel nicht zwischen den Pfosten gestanden: als Daniel Haas verabschiedet wurde.

Dummheiten ohne Folgen

Hatten trotz all der lobenden Worte vorab von Trainer und Mitspielern sowie der beeindruckenden Vorleistung aus dem Pokal-Hit in Dortmund noch Zweifel an dem Ersatztorwart bestanden, so waren sie schon in der 14. Minute beseitigt. Plötzlich war Sebastian Ernst alleine vor ihm aufgetaucht, Mesenhöler blieb cool. Auch Sekunden nach dem Platzverweis, als Punec am Geländer lehnend zusah, wie der Keeper den Ausgleich bei einem Versuch aus der Distanz verhinderte.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass er in so einem Aller so eine Leistung zeigt“, sagte Trainer Jens Keller. „Nicht nur, dass er die zwei Bälle herausragend gehalten hat, sondern die ganze Art und Weise, wie er im Tor gestanden ist, die Ausstrahlung. Da hat er der Mannschaft Stärke gegeben.“ Denn auch ein Gegentor kann ein Team durcheinanderbringen. Zumal ein Würzburger Treffer in Hälfte eins völlig unverdient gewesen wäre.

Der Versuch von Kickers-Coach Bernd Hollerbach, das Berliner Zentrum zu verengen und Stephan Fürstner früh zu attackieren, damit dieser das Spiel nicht wie gewohnt aufbauen konnte, schlug fehl. Fürstner baute, Felix Kroos passte und Steven Skrzybski dribbelte. Wären die finalen Zuspiele etwas genauer gewesen, die Halbzeitführung wäre deutlich höher ausgefallen. Sebastian Polter hatte eine von Michael Parensen verlängerte Ecke eingeköpft (21.). Es war sein dritter Treffer im sechsten Spiel seit seiner Rückkehr im Januar. Wer dieses Spiel gewinnen würde, war klar, bis Puncec seine Hand ins Spiel brachte. „Bis zum Platzverweis haben wir das Spiel klar im Griff gehabt und dann sieht man, was die Mannschaft imstande ist zu leisten“, sagte Keller.

Nach dem Seitenwechsel hatte er Emanuel Pogatetz in die Partie gebracht, um das von Puncec hinterlassene Loch zu stopfen. Weil dafür Linksaußen Simon Hedlund das Feld hatte räumen müssen, fehlte fortan das Tempo im Angriff und die Defensivabteilung musste ziemlich ackern. „Wir mussten weit rausschieben, um Würzburg vom Tor fernzuhalten“, sagte Toni Leistner. „Natürlich sind da ein paar Räume, die man mehr belaufen muss.“

Diese Mehrarbeit meisterte Union mit Bravour, Mesenhöler musste seine Fähigkeiten trotz Unterzahl nicht mehr unter Beweis stellen. Ein von Leistner weit nach vorne geschlagener Freistoß brachte dann in der 81. Minute die Entscheidung. Polter verlängerte per Kopf auf Damir Kreilach, der den Ball mit der Sohle sehenswert am Würzburger Torwart Robert Wulnikowski vorbeizog und ins lange Eck einschob. „Mit dem Sieg haben wir den Druck auf Hannover erhöht und Braunschweig muss am Montag nachziehen“, sagte Leistner.

Selbst Dummheiten können Union nicht aufhalten, zumindest in Liga zwei sind sie eine Spitzenmannschaft. Diese Einsicht hat auch die Tribüne erreicht. „Scheiße … wir steigen auf!“, war nach dem Abpfiff auf der Waldseite zu lesen.