Will für seine Hertha eine reine Fußball-Arena: Klubpräsident Werner Gegenbauer.
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BerlinIm September 2021 soll die Wahl zum 19. Berliner Abgeordnetenhaus stattfinden. Der Senat will, dass sie gemeinsam mit der Bundestagswahl abgehalten wird. Wann genau dies geschehen soll, wird der Bundespräsident erst noch festlegen – was an dieser Stelle nicht mehr als eine interessante Nebensächlichkeit ist. Es geht an dieser Stelle ja um den Sport, gern mal um den Fußball, heute, um es noch enger zu fassen, um den Bundesligisten Hertha BSC. Der will ein neues Stadion bauen und ist dabei auch auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Doch tatsächlich, auch wenn die Blau-Weißen im Moment den Eindruck erwecken, dass sie dank der Millionen von Investor Lars Windhorst total unabhängig sind – außer natürlich von den Millionen von Investor Lars Windhorst.

Werner Gegenbauer, der Präsident von Hertha BSC, hat diese Abhängigkeit in der Stadionfrage von den politischen Entscheidungsträgern in der Stadt in einem Interview mit der Bild-Zeitung nun noch einmal bestätigt. Zwar nur indirekt, aber dann doch eindeutig, weil er im Zusammenhang mit dem Traum von einer reinen, auf dem Olympiagelände errichteten Fußball-Arena offensichtlich große Hoffnung auf die Abwahl der aktuellen Regierung setzt. Anders lässt sich folgende Aussage kaum deuten, oder: „Das Olympiagelände ist nicht allein wegen seiner überragenden öffentlichen Anschlussmöglichkeiten die beste Lösung für uns und die Stadt Berlin. Vielleicht kommt ja auch Bewegung in die Gespräche, wenn es neue Handelnde aufseiten der Politik gibt.“

Auf wen der 70 Jahre alte Unternehmer damit zielte, ist klar. Auf den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dessen Innensenator Andreas Geisel, die beim Thema Hertha-Heimspielstätte zuletzt freilich etwas überfordert wirkten, lieber ein lähmendes Machbarkeitsstudien-Pingpong spielten, als sich konkret mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber so einfach ist das nicht mit dem Olympiagelände, Stichwort: Denkmalschutz! Und wer soll das Olympiastadion bespielen, wenn nicht die Hertha? Zudem hatten es die Verantwortlichen des Hauptstadtklubs ja selbst in der Hand, die Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 zum Verkauf eines potenziellen Baugrundstücks an der Sportforumstraße zu bewegen. Es ging dabei dem Vernehmen nach ja nicht nur ums Geld, sondern auch um den guten Ton.

Stellt sich nun die Frage, was sich Gegenbauer für den Herbst kommenden Jahres erhofft. Weiß er, der sich das Jahr 2025 als Ziel für die Fertigstellung der neuen Arena gesetzt hatte, schon mehr als die Meinungsforscher, die in der Glaskugel etwas mehr Grün als Rot ausgemacht haben? Kennt er einen, der mit dem Versprechen, der Hertha eine Baugenehmigung für das Olympiagelände zu erteilen, in den Wahlkampf ziehen wird? Für den Moment ist jedenfalls davon auszugehen, dass sich nach Gegenbauers Meckerstunde in Sachen Stadion erst mal gar nichts tun wird. Und das mindestens für ein Jahr.