Salzburg - Ohne Anfeuerung durch die Fans scheinen Fußballspieler auf dem Platz weniger streitlustig zu sein, dafür aber torhungriger. Bei den Geisterspielen des österreichischen Top-Bundesligisten Red Bull Salzburg sei die Zahl der Streitigkeiten mit Gegenspielern oder dem Schiedsrichter deutlich gesunken, berichten Wissenschaftler in einer im Fachmagazin „Humanities and Social Sciences Communications“ veröffentlichten Studie. Auch dauerten hitzige Diskussionen und Gezänk zwischen den Beteiligten bei den zehn analysierten Geisterspielen nur insgesamt 27 Minuten, bei den zehn Treffen vor großer Kulisse waren es laut Studie 42 Minuten.

„Während der COVID-19-Pandemie hat die österreichische Bundesliga - wie viele andere europäische Fußballligen auch - die Saison Ende Mai 2020 ohne Anhänger in den Stadien wieder aufgenommen“, erläutert Michael Leitner vom Fachbereich Psychologie und Centre for Cognitive Neuroscience (CCNS) der Universität Salzburg in einer Mitteilung. „Diese sogenannten Geisterspiele bieten eine einzigartige und beispiellose Gelegenheit, die Auswirkungen (fehlender) Zuschauer auf das Verhalten und die Erfahrung von Sportprofis zu untersuchen.“

Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass Geisterspiele aus sportpsychologischer Sicht einen beruhigenden Effekt auf Spieler und Offizielle haben. „Ohne den äußeren Faktor der Fans blieben die Spieler und die Teammitglieder öfter einfach ruhig und beschäftigten sich weniger mit Diskussionen und Streit“, so Leitner. Die Studie stützt sich auf die Beobachtung von 20 Spielen von Red Bull Salzburg, jeweils zur Hälfte mit und ohne Fans. Für eine generalisierende Aussage bedürfe es noch weiterer Analysen anderer Ligen, so die Autoren.

In der Studie fiel bei der Betrachtung der einzelnen Spieler auf, dass Selbstvorwürfe nach vergebenen Chancen, Protest-Gebaren und auch Fair Play tendenziell zunahmen. Auch der Torhunger wuchs. Erzielte Red Bull Salzburg in der Vergleichs-Saison 2018/2019 in zehn Spielen der Meisterrunde 28 Tore, waren es bei den Geisterspielen 36 Treffer.

Das treffe auch auf die gesamte Liga zu, hieß es. In den 60 Spielen der Meisterrunde der Vergleichssaison seien insgesamt 95 Treffer erzielt worden, in der Runde der besten sechs Teams in der Saison 2019/2020 seien es 114 Tore gewesen. Demgegenüber habe die Zahl der Fouls sowie der Roten und Gelben Karten bei Geisterspielen abgenommen.