Berlin - Die Gewalt auf Berliner Fußballplätzen hat die Schiedsrichter in Alarmzustand versetzt. „Es ist keine positive Bilanz“, sagte Jörg Wehling, Chef der Berliner Unparteiischen, am Freitag bei der Auswertung der Vorkommnisse und Spielabbrüche der vergangenen Saison. „Es gab rund 150 Vorfälle, bei denen Schiedsrichter angegangen wurden“, berichtete Wehling. Das Spektrum reichte von Beleidigungen über körperliche Gewalt bis hin zu einer Morddrohung. „Dazu ist die Diskriminierung sehr hoch“, ergänzte der Vertreter der Referees im Präsidium des Berliner Fußball-Verbandes.

1100 Schiedsrichter in Berlin

Die Konsequenz: Im Amateur- und Jugendfußball der Hauptstadt gibt es nur noch 1100 Schiedsrichter für rund 35.000 Pflichtspiele pro Saison. 15 Prozent der Referees, die gerade in den unteren Spielklassen bei Konflikten meist auf sich allein gestellt sind, werden einmal pro Jahr von Vorfällen auf dem Platz oder im Umfeld der Spiele betroffen. Der BFV bildet zwar jährlich 100 bis 150 Schiedsrichter aus. „Doch das Problem ist die Praxis“, sagte Wehling.

Insgesamt gab es in der Vorsaison im Berliner Fußball 50 Spielabbrüche, 30 im Erwachsenen- und 20 im Jugendbereich. Das ist eine ähnliche Zahl wie in den Jahren zuvor. „Spielabbrüche sind ein Trauma für die Menschen“, unterstrich Liesegang.

35.000 Pflichtspiele pro Saison in Berlin

BFV-Präsident Bernd Schultz verwies darauf, dass „die massiven Gewaltvorgänge rückläufig“ seien. Erstmals wurden auf den Amateurplätzen unter 2000 Vorfälle (1993) registriert. „Doch es bleibt dabei, dass jeder Vorfall einer zuviel ist“, sagte Schultz.

Bei insgesamt 1600 Spielen pro Wochenende „kommen wir an unsere Grenzen“, bemerkte BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang. Zwar würde der Verband die Vereine schon im Vorfeld brisanter Partien aktiv unterstützen, dazu gibt es eine AG Spielabbruch. 27 Sportrichter und sieben Verbandsrichter arbeiten für den BFV. Aber alles laufe über ehrenamtliche Arbeit, betonte Liesegang. (dpa)