Gewalt im Fußball: Jetzt schützt der Friedenauer TSC Schiedsrichter mit Bodyguards

Der Friedenauer TSC hat Konsequenzen aus der anhaltenden Gewalt gegen Schiedsrichter auf Berliner Fußballplätzen gezogen. Der Landesligist lässt die Unparteiischen von Bodyguards schützen. Laut Bild-Zeitung wird vom kommenden Wochenende an eine Sicherheitsfirma für den Verein tätig sein. Kosten bis zum Ende der Hinrunde: rund 5000 Euro. Der TSC kommt dafür selbst auf. Am Sonntag empfängt die erste Mannschaft der Friedenauer an der Offenbacher Straße das Team der Sportfreunde Charlottenburg-Wilmersdorf.

„Bei uns gab es keine Gewalt gegen Schiris. Aber um die Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, haben wir uns dazu entschlossen“, sagte Ronny Herms, Mitglied im Club-Vorstand. „Worte und Banner sind nicht genug!“

Am vergangenen Wochenende war ein 22 Jahre alter Unparteiischer in der Partie des FSV Münster gegen TV Semd in der hessischen C-Liga Dieburg von einem Spieler der Gastgeber bewusstlos geschlagen worden und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden.

Al-Dersimspor stellt Ordner für Schiedsrichter ab

In Berlin machte zuletzt der Berlin-Ligist Al-Dersimspor negativ auf sich aufmerksam. Die Berliner erhielten in einem insgesamt milden Urteil die Auflage, mit Ordnungskräften die Sicherheit der Schiedsrichter zu gewährleisten.

Dass die Zeit drängt, beweist die Statistik. In Berlin stieg die Anzahl der Vorfälle bereits um 20 Prozent, in der Vorsaison sei bereits jeder siebte Schiedsrichter Opfer von Angriffen geworden, sagt Kisting. Verbale Beleidigungen sind an der Tagesordnung, außerdem sehen sich die Referees zunehmend körperlichen Attacken ausgesetzt. Vor allem junge Schiedsrichter haben Angst, Spiele bestimmter Vereine zu pfeifen. Deshalb sind die Schiedsrichter des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) in diesem Wochenende in den Ausstand getreten. Mehr als 1 000 Spiele konnten deshalb nicht stattfinden. Ausnahmezustand im Berliner Fußball mal anders.

Ralf Kisting ist der Sprecher des Berliner Schiedsrichterausschusses und Obmann der Referees von Bundesligist Hertha BSC. Er weiß, dass ein Zeichen allein nicht reichen wird, um die Verhältnisse auf den Fußballplätzen der Republik in den unteren Spielklassen zu verbessern. Der Berliner führt die zunehmende Gewalt auf Veränderungen in der Gesellschaft zurück, auf fehlende Akzeptanz des Gegners und des Spielleiters.

Kisting und seine Schiedsrichter-Kollegen schlagen nun eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Situation zu verbessern. So soll unter anderem der Heimverein künftig bei Spielen zwei Ordner stellen, so dass der Schiedsrichter nicht auf sich allein gestellt ist. Außerdem sollen die Mannschaften Kurse in Regelkunde abhalten – in der Hoffnung, dass dadurch das Verständnis für Entscheidungen der Schiedsrichter wächst. „Das alles kann und muss kurzfristig passieren“, sagt Kisting.

Bislang ist die Regelschulung keine Pflicht, aber es gibt Vereine, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Kisting nennt ein sehr positives Beispiel: „Beim Berliner SC wird eine Regelschulung schon in der C-Jugend durchgeführt. Dort konnten danach sogar sechs junge Schiedsrichter gewonnen werden.“

Schiedsrichter-Boykott ein wichtiges Signal

Ralf Kisting sieht auch nach dem Wochenende in dem Ausstand ein wichtiges Signal: „Die Mehrheit der Berliner Schiedsrichter wollte diesen Ausstand, das war nicht nur eine Entscheidung unseres Ausschusses, sondern des Schiedsrichterbeirates, in dem rund 30 Leute sitzen und zuvor alle ihre Probleme auf den Tisch brachten.“ Das Fazit: Es muss sich schnellstens etwas verändern, damit die Spirale der Gewalt nicht noch weiter geht. (mit dpa)