Für die Aufbruchstimmung beim BFC verantwortlich: Trainer Benbennek.
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BerlinMit einigen Wochen Verspätung wird am Sonnabend (16 Uhr) im Jahnsportpark auch noch das dritte Duell der Saison 2019/20 zwischen dem BFC Dynamo und der VSG Altglienicke ausgetragen. In der Regionalliga Nordost konnte Altglienicke beide Partien für sich entscheiden und möchte natürlich auch im Landespokal-Halbfinale den Platz als Sieger verlassen. In Vorbereitung auf das Pokal-Halbfinale hat Altglienicke alle sechs Vorbereitungsspiele gewonnen, der BFC lediglich eine von vier Partien. Dennoch sind beide Trainer recht optimistisch gestimmt.

BFC Dynamo

Als Christian Benbennek im Juni 2019 das Amt des Cheftrainers beim Regionalligisten BFC Dynamo übernahm, stand der 47-Jährige vor einer äußerst schwierigen Mission. Nach Rang zwölf in der Liga 2018/19 mit zwischenzeitlicher Abstiegsgefahr hatten 15 Spieler den Verein verlassen und auch Coach Matthias Maucksch, der in der Winterpause Rene Rydlewicz abgelöst hatte, kehrte dem BFC den Rücken. Benbennek, der vom TSV Havelse kam, sollte nach dem krassen personellen Schnitt mit einer jungen Mannschaft weiterarbeiten. Dem Trainer gelang es, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Er ließ offensiven Fußball spielen und holte so auch die Fans zurück ins Stadion. Benbennek sagt nun: „Wir wollten damals nichts mit dem Abstieg zu tun haben, landeten am Ende der komplizierten Saison auf dem sehr guten Rang sechs. Auch nach der langen Zwangspause bin ich optimistisch, dass wir wieder gute Leistungen bringen können – auch schon im Pokal.“ Aber der Trainer lobt erst einmal den kommenden Gegner – die VSG Altglienicke. „Die haben eine sehr gute Mannschaft mit tollen Fußballern. In der Liga haben wir zweimal gegen die VSG verloren – mit 1:4 und 1:2. Wir haben Respekt, glauben aber an unsere Stärken.“

Der BFC hat vor allem erfahrene neue Spieler verpflichtet. Allen voran Benjamin Förster, 30, vom Pokalgegner Altglienicke und Matthias Steinborn, 31, der vor Wochen mit dem 1. FC Lok Leipzig knapp in der Relegation zur Dritten Liga gegen den SC Verl gescheitert war. Steinborn ist bereits zum dritten Mal bei seinem Stammverein BFC unter Vertrag und garantiert viele Tore, genauso wie Förster. Der spielte einst mit dem BFC-Führungsspieler Ronny Garbuschewski zusammen beim Chemnitzer FC und stieg in die Dritte Liga auf. Steinborn sagt: „Ich habe vom ersten Tag an unter Benbennek wieder Riesenspaß.“

Der Trainer ist überzeugt von seinen neuen Leuten und sagt: „Das sind garantiert sehr gute Zugänge, die unsere Qualität anheben.“ Ein wenig klagt der Coach über die kurze Vorbereitungszeit für das Pokal-Halbfinale. „Alles wird von den Verbänden einfach von oben nach unten durchgestellt mit all den vielen Vorschriften und Maßnahmen wegen Corona, aber an die Spieler wird nicht gedacht. Eigentlich kommt dieses wichtige Pokalspiel zu früh, aber der VSG geht es ja genauso.“

Jeden Tag bittet der Trainer seine Spieler zweimal zum Training, es sind meist neun Einheiten pro Woche. „Alle sind sehr fleißig bei der Sache, aber auch ganz schön erschöpft und müde im Kopf. Die lange Zwangspause macht sich bemerkbar.“

Und wie sieht Benbennek die Chancen im Pokal? „Bislang haben wir ja eine starke Pokalsaison gespielt, sind ohne Gegentore bis ins Halbfinale gekommen. Solche Cupspiele sind immer reizvoll. Man muss auf den Punkt voll da sein. Und das wollen wir am Sonnabend!“ Das Cupfinale zu erreichen, wäre ein großer Erfolg für den BFC, der die neue Saison optimistisch angeht. Der Trainer redet Klartext: „Nach Platz sechs können wir ja nicht sagen, dass wir schlechter abschneiden wollen.“

VSG Altglienicke

Karsten Heine sagt, er sei gut erholt. Der 65-jährige Cheftrainer der VSG Altglienicke weilte im Urlaub an der Ostsee und meint lakonisch: „Eigentlich hatten wir ja wegen Corona genug Pause vom Fußball.“ Der überaus erfahrene Fußballlehrer, der einst den 1. FC Union, die Profis und die Amateure von Hertha BSC trainierte, übernahm erst im Sommer 2019 mit Altglienicke eine Mannschaft mit Außenseiterchancen aus dem Südosten Berlins. Die ging mit ihm in die dritte Saison in der Regionalliga, war zuvor zweimal nur knapp dem Abstieg entronnen und auf den Rängen 15 und 14 gelandet. Was danach passierte, glich beinahe einem Wunder.

Heine und sein Assistent, die Union-Legende Torsten Mattuschka, ließen aktiven, offensiven, mutigen und vor allem leidenschaftlichen Fußball spielen. Die Herbstmeisterschaft war der Lohn, und auch vor dem Abbruch der Spielzeit wegen des Virus lagen die ambitionierten VSG-Kicker in der Tabelle ganz vorn. Die Crux: Altglienicke war punktgleich mit dem 1. FC Lok Leipzig, hatte aber ein Spiel mehr absolviert. Als die äußerst umstrittene Quotientenregel in der Aufstiegsfrage zur Anwendung kam, wobei die erreichten Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt wird, unterlag Heines Team der Lok mit 2,04 zu 2,14 Punkten.

Heine, der damals erbost reagierte ob der Entscheidung, sagt nun: „Ich habe das alles abgehakt, bin aber nach wie vor der Meinung, dass diese Regelung ungerecht ist. Ein Endspiel zwischen uns und Lok wäre besser gewesen.“ Seit über vier Wochen aber konzentriert sich Heine wieder auf die neue Saison, die, so der Coach, gleich „eine Art Endspiel im Pokal gegen den BFC bereithält“.

Die VSG hat einige erfahrene Leute verpflichtet. Vor allem Tolcay Cigerci (vom Berliner AK), Philipp Zeiger (von Rot-Weiß Essen) und Linus Meyer (von der SV Rödinghausen) sollten das Team entscheidend verstärken können. „Wir haben eine gute Mischung aus jungen Talenten und Spielern, die schon einiges erlebt haben“, sagt Heine.

Vor dem Duell gegen den BFC Dynamo gibt der Trainer ein klares Ziel aus: „Wir wollen Berliner Pokalsieger werden!“ Dennoch sagt er auch: „Keiner weiß nach dieser langen Pause und der kurzen Vorbereitung, wo man eigentlich steht. Wir haben bislang sehr gut trainiert, aber erst in den Spielen wird sich zeigen, ob unsere Vorstellungen aufgehen.“ Heine sieht seine Truppe gut gerüstet und nervenstark für einen echten Pokalfight. Er urteilt dennoch voller Respekt: „Alle drei anderen Mannschaften, die ins Halbfinale kamen, sind unangenehme Gegner.“

Der Trainer kennt sämtliche Teams in der Regionalliga aus dem Effeff und sagt: „Das ist eine heftige und reizvolle Staffel mit vielen ehemaligen DDR-Oberligisten. Immerhin steigt der Meister 2021 direkt in die Dritte Liga auf.“ Um ein konkretes Saisonziel zu formulieren – außer dem Cupsieg –, sei es noch zu früh. „Aber wir wollen wieder oben mitspielen und erfolgreichen und sehr guten Fußball bieten. Aber dafür müssen wir eine Schippe drauflegen.“ Schon gegen den BFC wird das dringend notwendig sein.