Nach dieser Saison sagt Rafal Gikiewicz tschüss zur Alten Försterei.
Foto: Imago Images/Matthias Koch

BerlinJetzt herrscht Gewissheit: Rafal Gikiewicz und der 1.FC Union gehen getrennte Wege nach dieser Saison. Für viele Fans ist das ein Schlag in die Magengrube. Wie kaum ein anderer genoss der verrückte Spaßvogel die Zuneigung des Anhangs. Mal abgesehen von Sebastian Polter vielleicht. Nach dieser Saison gehen den Köpenickern also zwei Identifikationsfiguren verloren.

Der Aufstiegsheld hat den Union-Anhängern viel Freude mit seinen Paraden, Verrücktheiten oder gar einem Ligator beschert. In der Corona-Trainingspause unterhielt er die rot-weiße Fangemeinde mit seinen Trainings-Albernheiten aus dem eigenen Wohnzimmer. Köstlich. Klasse. Kaum zu toppen. Da schmerzt so ein Abgang.

Doch natürlich gab es auch den anderen Gikiewicz. Den Vollblutprofi, der mit seinen 32 Lenzen lange in Europa unter dem Radar geflogen war, der nun - endlich in der Bundesliga angekommen - sich nach einem goldenen Karriereherbst sehnt. Aus seiner Sicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass er so viele Jahre im Spitzenfußball nicht mehr haben wird.

Offenbar waren Gikiewicz‘ Vorstellungen davon, was seine Dienste wert sind, nicht mit dem in Übereinklang zu bringen, was die Köpenicker sich leisten wollen. „Nachdem wir uns in mehreren Verhandlungsrunden jedoch wirtschaftlich nicht einigen konnten, haben wir entschieden, uns auf der Torwartposition neu zu orientieren“, erklärte Manager Oliver Ruhnert.

Gerade in Zeiten der Corona-Krise ist auch bei Union etwas finanzielle Zurückhaltung angebracht. Es ist immer ein Preis-Leistungs-Verhältnis, dass es zu beachten gibt, und die Eisernen können es sich nicht leisten, dass im Gehaltsgefüge zu große Unterschiede entstehen. Dazu lebt der Klub zu sehr auch vom Kollektiv. Und bei aller Liebe zu Gikiewicz, ein Manuel Neuer oder Gianluigi Buffon ist er auch nicht.

Warum Union mit dieser Erklärung jetzt vorprescht, an einem Tag vor einem Feiertag, also einem Tag, an dem keine Zeitungen erscheinen, lässt vermuten, dass Gikiewicz sich längt mit einem neuen Klub einig ist. Und dies auch kurz vor der Verkündung steht. In Köpenick lassen sie sich ja ungern das Heft das Handelns aus der Hand nehmen, auch über das Wetter würden sie gerne bestimmen, wenn es sich das gefallen ließe.

Dass da erstmal eine sportliche Lücke zu entstehen scheint, liegt aber auf der Hand. Allerdings ist in Sachen Torhütern in dieser Republik eher kein Mangel. Jahr für Jahr spülen die Nachwuchsleistungszentren gute Torhüter hervor, die aber kaum Chancen bekommen, weil die wenigen Plätze im Profifußball ja fast immer schon vergeben sind.

Vielleicht liegt für die Eisernen ja auch eine Chance darin. Gikiewicz war ein Mann, der Reizpunkte setzte. Intern – was nicht allen Kollegen gefiel - wie extern. Gut, um für eine Mission Aufstieg etwas herauszukitzeln aus dem Team, und im Jahr danach im Kampf um den Klassenerhalt alle wachzurütteln. Aber danach kann man auch mal wieder ruhigeres Fahrwasser vertragen.

Ruhnert hatte bislang ein sehr gutes Händchen, was seine Verpflichtungen angeht. Man sollte ihm auch hier zutrauen, die Lücke zu schließen. Und vielleicht muss er dabei nicht mal groß über den Tellerrand hinausschauen. Moritz Nicolas steht ja noch unter Vertrag. Gladbach wollte ihn schon zurückholen, wenn er keine Einsätze bekommt. Das könnte sich jetzt ändern. Und dann ist ja auch noch Lennard Moser ab der neuen Spielzeit wieder auf dem Gehaltszettel. Der hat in Cottbus und vor allem bei Cercle Brügge in Belgien auf sich aufmerksam gemacht.  Mal sehen, ob es da überhaupt zu einer externen neuen Nummer 1 kommt.