Passgeber Giovanni Reyna (r.) feiert mit dem Torschützen Erling Haaland.
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BerlinDen auf dem Weg zum Weltklassefußballer befindlichen 17-jährigen Giovanni Reyna mit dem im Spätwinter seiner Karriere angesiedelten 36-jährigen Bernd Schuster zu vergleichen, erscheint ein bisschen gewagt. Und doch: Reynas zwei Pässe in die Tiefe auf Erling Haaland, die am Sonnabend den beiden Toren des Norwegers bei Borussia Dortmunds 4:0 gegen den SC Freiburg vorangingen, hatten etwas von der eleganten Leichtigkeit, mit der einst Schuster die Bälle auf dem Spielfeld verteilte. „Er spielt das Einfache genial“, sagte der Trainer Hennes Weisweiler über den besten deutschen Mittelfeldspier seit Fritz Walter, auch wenn Letzteres nur in Spanien registriert wurde.

Ähnlich, nur ein bisschen favresker, klingt es, wenn sich der BVB-Trainer über Reyna äußert. „Gio bringt viel mit für einen Spieler, der erst 17 ist“, sagte Lucien Favre. „Er kann das Spiel gut lesen und ist sehr intelligent.“ Das wiederum galt auch für Giovannis Vater Claudio Reyna, womit sich der Kreis zu Bernd Schuster schließt.

Dieser war 1993 nach seiner Zeit bei FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid zu Bayer Leverkusen gewechselt, wo er 1994 beim Sportschau-Tor des Jahres die ersten drei Plätze belegte und an der Seite von Leuten wie Ulf Kirsten oder Rudi Völler auch noch spielte, als der 22-jährige Claudio Reyna im Sommer 1995 aus den USA zum Klub kam. Da hatte sich Schuster längst und keineswegs unerwartet mit dem überforderten Trainer Erich Ribbeck zerstritten, weshalb er und Reyna nur zweimal gemeinsam auf dem Platz standen. Dennoch wurde dieser später nicht müde, davon zu schwärmen, wie viel er von Bernd Schuster allein im Training gelernt habe.

Beweisen konnte er das in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg, wo er Kapitän wurde, bevor er seine Karriere in Schottland und England fortsetzte. Giovanni wurde in Sunderland geboren. Auch im US-Team wurde Claudio Reyna Kapitän und war bei der WM 2002, wo er die USA ins äußerst unglücklich mit 0:1 verlorene Viertelfinale gegen Deutschland führte, einer der besten Spieler des Turniers. Seine strategischen Fähigkeiten, seine brillante Technik und den Blick für die Situation hat er offenkundig an den Sohn weitervermittelt, die Athletik und Laufstärke, so gibt er gern zu, stammt eher von der Mutter Danielle Egan, ebenfalls Nationalspielerin der USA. Claudio hingegen hatte sich vom späten Bernd Schuster auch abgeguckt, wie man Spiele mit einem überschaubaren läuferischen Aufwand dominiert.

Giovanni Reyna beginnt mit Basketball

Giovanni Reyna, der als Kind übrigens lieber Basketball spielte, bevor er sich in der Akademie des New York City FC, wo sein Vater Sportdirektor war, komplett dem Fußball widmete, hat aus den USA nicht nur sportliche Skills, sondern auch eine Extraportion Selbstbewusstsein mitgebracht. Das war schon vergangene Saison bei seinen ersten Einsätzen zu bemerken, als er sofort Verantwortung übernahm, den Ball forderte, keine Konfrontation mit gestandenen Kontrahenten scheute und gern auch mal das anwandte, was man im Basketball etwas euphemistisch „Flop“ nennt, spektakuläre Stürze bei minimaler Gegnerberührung.

Inzwischen scheint es Reyna selbst beim gestrengen Favre zum Stammspieler gebracht zu haben, und in England, zum Beispiel beim FC Liverpool in Gestalt von Jürgen Klopp, sollen schon einige in den Startlöchern sitzen, um dem Jüngling den einstigen Karriereweg des Vaters schmackhaft zu machen. Die strengen britischen Regeln für den Import von Nicht-EU-Ausländern entfallen bei Reyna, nicht wegen des Brexit, sondern weil er bereits die großmütterlicherseits indizierte portugiesische Staatsbürgerschaft annahm, um die in Deutschland gültigen Regeln zu umgehen.

Angeblich verlängert sich Reynas bis 2021 gültiger Vertrag in Dortmund jedoch in ein paar Wochen an seinem 18. Geburtstag, dem 13. November, um zwei Jahre, was die Sache für Interessenten deutlich verteuern dürfte und den vorläufigen Verbleib in der  Bundesliga bewirken könnte. Nur eine Frage der Zeit ist das Debüt in der Nationalmannschaft der USA, für die Vater Claudio 112-mal auflief. Wenn es weiter so gut für ihn läuft, könnte Giovanni sogar dafür sorgen, dass die Reynas eines Tages den einsamen Vater-Sohn-Rekord von Bum-Kun Cha und Du-Ri Cha brechen. Diese haben für Südkorea zusammen 210 Länderspiele bestritten.