Vor vier Jahren ist Bojko Borissow zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Seinem bulgarischen Wahlvolk versprach er, die Korruption zu bekämpfen und die Wirtschaft zu liberalisieren. Vor ein paar Monaten, nach wütenden Protesten gegen die Sparpolitik seiner Regierung, ist Borissow zurückgetreten.

Über seine Wahlversprechen lässt sich sagen: Bulgarien ist nach wie vor das ärmste Land der EU. Borissow selbst zählt eher zu den reichsten Männern seines Landes und zu den windigsten. Er war mal Bodyguard, er soll mit gefälschten Zigaretten gehandelt haben und nicht überrascht gewesen sein, als das Auto seiner Freundin in die Luft geflogen ist.

Borissow ist einer, der nicht trennt zwischen Dienst und Schnaps, außerdem mag er Fußball. Am Wochenende ist er für den Zweitligisten Witoscha Bistritsa aufgelaufen. Mit 54 Jahren stand er 54 Minuten im Sturm herum. Er leidet an Bluthochdruck, da muss man aufpassen.

Ein paar Zuschauer haben trotzdem bei jedem Ballkontakt gejubelt. Das waren dann eher die, die für liberale Wirtschaftsreformen sind, aber nicht für schärfere Korruptionsgesetze. Oder anders: Bojko Borissows Freunde.