Gradmesser für die weitere Saison: Warum Herthas Spiel auf Schalke so wichtig ist

Auf Berlin kommt Großes zu, aber am Samstag erst mal Gelsenkirchen. So lautete noch vor zwei Jahren der süffisante wie originelle Slogan der Marketing-Abteilung von Hertha BSC auf den Ankündigungsplakaten vor einem Heimspiel gegen Schalke 04. Damals zielte man auch auf die Devise „Die Zukunft gehört Berlin“ ab. Nun, zwei Jahre später, scheint die seit Anfang der Siebzigerjahre bestehende, früher heftige Feindseligkeit zwischen den beiden Vereinen – vornehmlich natürlich zwischen den Fans – etwas aufgeweicht zu sein. Vor dem Duell der Mannschaft von Trainer Ante Covic am Sonnabend in Gelsenkirchen (15.30 Uhr) sprachen jedenfalls auf der Pressekonferenz Covic und Herthas Pressechef Max Jung von „Schalke“ – nur Manager Michael Preetz hielt sich an die alte Diktion und nannte den Gegner „Gelsenkirchen“. Man kann aber Jung und Covic locker verzeihen, da die lange gelebte Rivalität ist für viele nur noch eine Marginalie.

Die Ausführungen der Berliner Verantwortlichen hörten sich nach dem starken 2:2 beim FC Bayern und dem ernüchternden 0:3 gegen Wolfsburg nun beinahe wie ein kleines Wunschkonzert an. Angesprochen auf den 2:0-Sieg der Mannschaft in der Vorsaison unter Trainer Pal Dardai nach zwei Treffern von Ondrej Duda in Gelsenkirchen, sagte Manager Michael Preetz: „Das war damals ein ganz wichtiger Sieg, vor allem, weil wir dort Ewigkeiten nicht gewonnen hatten. Wir haben dort oft gut gespielt, aber keine Punkte mitgebracht. Der Erfolg hatte uns beflügelt. Bei uns hat keiner etwas dagegen, wenn wir am Sonnabend das Spiel ähnlich gestalten können.“

Ante Covic sagte, dass die bisherigen zwei Spiele so verlaufen sind, wie viele prophezeit hatten. „Die Bayern tun sich oft schwer gegen uns und wir sahen oft in der Vergangenheit nicht gut gegen Wolfsburg aus. Dann wäre eine Initialzündung wie im Vorjahr in Gelsenkirchen sehr wichtig. Hoffen wir darauf. Wichtig ist, dass wir Effizienz an der Tag legen und unsere Chancen in Tore ummünzen.“

Natürlich wird auch der doppelte Torschütze aus der Vorsaison, der Slowake Ondrej Duda, in der Startformation stehen. Damals brachten ihm die Treffer auf Schalke den sportlichen Durchbruch in Berlin ein. Mit 11 Toren stieg er 2018/19 gar zum besten Schützen bei Hertha auf, dazu kamen sieben Assists – eine stattliche Bilanz. Nun sagt Duda: „Es wird ein anderes Spiel. Wir wollen gewinnen, um auszugleichen, was wir im Heimspiel gegen Wolfsburg verloren haben.“

Letzter Hertha-Sieg auf Schalke war 2004

Sein Treffer beim 2:0-Sieg brachten im September 2018 einen beinahe historischen Erfolg ein. Zuvor kassierte Hertha in der Bundesliga auf Schalke zehn Niederlagen in Serie und holte lediglich ein Remis. Und der letzte Sieg gelang mit einem 3:1 am 13. November 2004, den damals Marcelinho, Nando Rafael und Niko Kovac herausschossen. Das klingt wie aus einer ganz anderen Zeit und Welt.

Fakt ist, dass das Duell am Sonnabend womöglich für den weiteren Saisonverlauf von entscheidender Bedeutung ist. Die Mannschaft muss die richtige Balance zwischen angekündigtem Offensivgeist und stabiler Defensive finden. „Uns würden Punkte guttun“, sagte Preetz.

Unabhängig vom Ausgang des Spiels am Sonnabend scheint auch möglich, dass bis zum Transferschluss am 2. September noch Bewegung in die Personalplanungen kommt. „Wir beobachten den Markt auf beiden Seiten. Es gibt ja auch bei uns den einen oder anderen Spieler, der sich verändern will“, erklärte Preetz. Pascal Köpke scheint solch ein Kandidat zu sein und Hertha äußerte den Wunsch, die beiden Trainersöhne Maurice Covic und Palko Dardai auszuleihen, um diesen beiden Talenten mehr Spielpraxis zu geben. Aber auch ein weiterer Transfer als Verstärkung ist nicht ausgeschlossen.