Die Griechen haben einen neuen Helden. Er heißt Konstantinos Mitroglou, spielt mittlerweile beim Rekordmeister Olympiakos Piräus, hat allerdings das Fußballspielen als Gastarbeiterkind im nordrhein-westfälischen Neukirchen gelernt. Was gar nicht so unwichtig ist, denn womöglich kehrt Mitroglou schon bald, ja vielleicht schon im kommenden Sommer zu seinen Fußballwurzeln zurück. Nicht nach Neukirchen, zum ortsansässigen SV, versteht sich, sondern zu einem westfälischen Bundesligisten. Aber dazu später.

Mitroglou jedenfalls hat sein Land zur Weltmeisterschaft in Brasilien geschossen. Denn nachdem er bereits beim 3:1 im Hinspiel der Relegationsrunde gegen Rumänien im Stadion von Olympiakos überragend gespielt und auch noch zwei Mal getroffen hatte, gelang ihm beim Rückspiel in Bukarest bereits in der 23. Minute das so wichtige 1:0, das den Rumänen jeglichen Mut raubte. Mitroglou, 25 Jahre alt, 1,88 Meter groß, wusste natürlich, was er er mit seinem Treffer nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Vassilis Torosidis bewirkt hatte. Er eilte sogleich zum Jubel Richtung Eckfahne, brüllte, misshandelte die Eckfahne und ging letztlich in der griechischen Spielertraube unter.

Griechenland hatte gegen die demoralisierten Gastgeber, die so forsch in die Partie gestartet waren, fortan alles unter Kontrolle. Mit einer Ausnahme, als Torosidis in der 55. Minute den Überblick verlor und eine Hereingabe von Gabriel Torje zur Aufheiterung der 35 000 Zuschauer im Nationalstadion zum 1:1 ins eigene Tor bugsierte. Dabei blieb es, weil die Griechen nicht mehr wollten und die schwachen Rumänen zu mehr nicht in der Lage waren.

Großes Herz, großer Titel

Niemand hatte ja erwartet, dass sich die Griechen derart souverän gegen die Auswahl Rumäniens behaupten würden. Denn die Griechen sind seit geraumer Zeit im Umbruch. Was sich ganz gut an der Figur Georgios Karagounis festmachen lässt. Karagounis, der Mittelfeldspieler mit dem großen Herzen und dem großen Titel (Europameister 2004), ist mittlerweile 36 Jahre alt, hat 131 Länderspiele für sein Land bestritten und gilt eigentlich seit Jahren als Auslaufmodell. Aber irgendwie kann und will der mit dem Umbruch betraute Fußballlehrer Fernando Santos nicht auf den Routinier vom FC Fulham verzichten. So stand der Stimmungsmacher Karagounis auch in Bukarest in der Anfangsformation. Die Gegenbeispiele sind der bei Dortmund beschäftigte Innenverteidiger Sokratis und eben Mitroglou, die beide zwar nicht mehr die Jüngsten sind, aber doch für den Neuanfang bei den Hellenen stehen. Erst unter Santos wurden die beiden zu Stammspielern, erst jetzt haben sie im Team das Sagen. Sokratis als Abwehrchef, Mitroglou als Sturmführer.

Und nun zum westfälischen Bundesligisten, bei dem es sich um Borussia Dortmund handelt. Trainer Jürgen Klopp ist auf der Suche nach einem Lewandowski-Nachfolger nämlich auf Mitroglou gestoßen. (BLZ)