Aito Garcia Reneses wechselt elegant hin und her. Zwischen Nationalteam und Team und Nationalteam und Team. Alles in einem Satz. Alba Berlins Trainer spricht ja auch nicht zum ersten Mal über das Problem, denn es ändert sich daran vorerst nichts. Der Basketball-Weltverband (Fiba) hat sogenannte Fenster für Länderspiele verordnet, ausgerechnet während der Vorbereitung der Klubs auf die Saison. Vitora aus Spanien etwa hat deshalb von seinen 15 Mann zwölf Nationalspieler abstellen und den Trainingsbetrieb einstellen müssen. So schlimm ist es bei Alba immerhin nicht gewesen.

Niels Giffey und Johannes Thiemann waren unterwegs, der Litauer Rokas Giedraitis und Martin Hermannsson aus Island ebenfalls. Giffey und Thiemann qualifizierten sich mit der deutschen Auswahl vorzeitig für die WM 2019 in China. Wenn sie bei Alba die Dinge positiv sehen, hat es sich wenigstens gelohnt. Und Reneses sieht die Dinge positiv. Der spanische Coach sagt, dass sie im vorigen Jahr ähnliche Probleme hatten. Am Ende standen sie im Finale um die Meisterschaft.

Suche nach Ersatz für Clifford

Diesmal muss Reneses nur vier Neue integrieren, so wenige wie zuletzt bei Alba vor zehn Jahren. Vom angestammten Personal fehlen allerdings wichtige Akteure. Center Dennis Clifford plagen Knieprobleme. Acht Wochen fällt er aus, vermutlich.

Reneses sagt: „Wir suchen nach einem Ersatz, der bereit ist, einen befristeten Vertrag abzuschließen.“ Einen Profi, der ins System passt, nicht auf eigene Rechnung, weil  er um ein neues Engagement spielt. Verstärkung auf den großen Positionen ist nötig, denn unklar ist zudem, wie weit Tim Schneider nach seiner langwierigen Verletzung ist und wie sich der junge Kresimir Nikic im Spielbetrieb behauptet.

Alba bekommt TV-Geld

Spielmacher Joshiko Saibou ist ebenfalls angeschlagen, Peyton Siva allerdings weiter an Bord. 20 Prozent mehr Personaletat haben es möglich gemacht, weit mehr als den Kern des Kaders zusammenzuhalten und die vier Zugänge Martin Hermannsson (Chalons-Reims), Johannes Thiemann (Ludwigsburg), Rokas Giedraitis (Vilnius) und Kenneth Ogbe (Utah Valley) zu finanzieren.

„Ein Kraftakt“, wie Albas Geschäftsführer Marco Baldi sagt, den sie wegen der erfolgreichen Vorsaison schafften. Einige Sponsoren zahlen nun mehr, der Fan-Zuspruch steigt. Schon jetzt hat die Zahl der Dauerkartenbesitzer den Vorjahresstand erreicht. Erstmals profitieren alle Bundesligisten gleichermaßen und „in nennenswertem Umfang“ von Fernsehgeldern „im sechsstelligen Bereich“. Eine Wette auf die Zukunft. „Wir stehen vor einer schwierigen Saison“, sagt Baldi daher.

Offiziell strebt Alba in der Bundesliga einen Platz unter den besten vier an. Im Falle eines erneuten Finales gegen die Bayern aber wäre der Sprung in der Euroleague geschafft, da München künftig in der Eliteliga gesetzt ist. Es gilt nun zu verhindern, dass Ehrgeiz in Egoismus umschlägt. Jeder soll sich weiter verbessern, aber zum Wohle des Teams. „Es ist schwer, eine begabte Mannschaft auf ein gutes Niveau zu bringen“, sagt Reneses. „Es ist e sehr viel schwerer, ein gutes Team noch besser zu machen.“ Doch das Problem erscheint immerhin nicht unlösbar.