Rostock - Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien hat ein vorläufiges positives Fazit nach dem ersten Spiel vor Zuschauern im deutschen Profi-Fußball seit fast fünf Monaten gezogen. „Alles ist gelungen. Wir machen nun eine erste interne Auswertung“, sagte er am Samstag nach dem 1:0-Sieg seines Teams in der 3. Liga gegen den Halleschen FC. Keiner der vor dem Ostseestadion gemachten 1100 Corona-Schnelltests war seinen Angaben nach positiv.

Zu der Partie waren 777 Fans zugelassen. Laut Marien waren etwa 700 in die rund 29.000 Zuschauer fassende Arena gekommen. Alle Besucher und Mitarbeitenden beim Spiel waren vor dem Einlass registriert und getestet worden. Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte das Spiel mit Zuschauern als wegweisend für andere Sportarten und Branchen bezeichnet.

Zufrieden zeigte sich nach der Partie auch die Polizei. Insgesamt war sie mit einer Zahl von Einsatzkräften im zweistelligen Bereich im und am Stadion. Die Schnelltests seien reibungslos und ohne Ansammlungen von Menschen abgelaufen, hieß es in einer Mitteilung. Auch während des Spiels hätten sich die Zuschauer an die vorgeschriebenen Abstände und an die Maskenpflicht gehalten. „Die Sportveranstaltung verlief durchgehend besonnen.“

Rostock hat bundesweit eine der geringsten Sieben-Tage-Inzidenzen. Das Gesundheitsamt der Hansestadt und die Landesregierung hatten ihre Zustimmung für das bundesweite Pilotprojekt gegeben. Die Erfahrungen, die der FC Hansa sammelt, sollen allen interessierten Profivereinen zugänglich gemacht werden. Gäste im Stadion waren unter anderem ein Beobachter vom Deutschen Fußball-Bund, zwei Vertreter von Union Berlin sowie Mitarbeiter von Vereinen anderer Sportarten.

Das Ostderby war das erste Spiel im deutschen Profifußball seit dem 1. November, bei dem Fans zugelassen waren. Für das Pilotprojekt hatte der Klub von der Landesregierung die Erlaubnis für bis zu 777 Zuschauer erhalten. Während bundesweit die Corona-Fallzahlen zum Teil deutlich steigen, lag der Inzidenzwert in Rostock am Samstag bei 22,9.

„Das haben sich die Rostocker und Rostockerinnen mit ihrem Verhalten auch verdient“, sagte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen im NDR: „Für Rostock ist das ein großer Tag, darüber freue ich mich besonders.“

Einlass erhalten hatten ausschließlich Sponsoren-Vertreter oder Dauerkarteninhaber aus Rostock, die sich zuvor einem Corona-Schnelltest unterziehen mussten. Das Konzept war in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium Mecklenburg-Vorpommerns entworfen worden und hatte bundesweites Interesse hervorgerufen. Für das Spiel gegen Halle hatten sich unter anderem Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und anderer Vereine wie Bundesligist Union Berlin angekündigt.

Geld verdiente Hansa mit der Aktion nicht. „Das wird ein Minusgeschäft sein, aber jeder Euro, der da vermeintlich im Minus ist, ist ein gut angelegter Euro“, hatte Hansas Vorstandschef Robert Marien im Vorfeld gesagt: „Denn es geht um eines der wichtigsten Güter im Fußball: Das sind die Fans.“