Schubgeber: Georg Grozer
DPA/Andreas Gora

BerlinDie Nadel des Applausometers zitterte sich auf der Videoleinwand in der Max-Schmeling-Halle in das zweithöchste Kästchen. Das rote Feld, wo der Jubel ohrenbetäubend wird, erreichte die Lautstärke im mit 4 200 Zuschauern besetzten Berliner Volleyballtempel bei der Dezibelprobe zu Beginn des Olympiaqualifikationsturniers zunächst noch nicht. Aber es muss ja bei so einem Turnier, bei dem es sechs Tage lang für acht Volleyball-Mannschaften um einen einzigen, den letzten Platz im Feld der Olympischen Spiele 2020 in Tokio geht, auch noch Potenzial zur Steigerung geben.

Das galt am Sonntagabend auch für die deutsche Mannschaft bei ihrem Auftaktspiel gegen Tschechien, das sie mit 3:0 (25:19, 25:22, 25:20) gewann. „Es wird ein paar Punkte dauern, bis man angekommen ist“, hatte Kapitän Lukas Kampa vorhergesagt. „Wir müssen es hinkriegen, dass diese Halle diese berühmte Atmosphäre schafft.“ Es dauerte ein paar Punkte.

Bundestrainer Andrea Giani hatte die Erfahrenen aufs Feld geschickt. Diejenigen, die sich schon länger in ausländischen Ligen mit den Weltbesten messen und die schon zwei, drei Olympiaqualifikationen hinter sich haben: Kampa, Georg Grozer, Denis Kaliberda, Christian Fromm und Libero Markus Steuerwald. In ihre Mitte hatte er die beiden blutjungen Blocker Anton Brehme, 20, und Tobias Krick, 21 gestellt. Das deutsche Team kämpfte sich erfolgreich durch Satz eins und lief im zweiten Durchgang Gefahr, den Ausgleich zu kassieren. Aber da hatte Georg Grozer ganz offensichtlich was dagegen.

"Ich bin der Typ, der gern riskiert"

Er weiß, dass man bei so einem Turnier Kraft sparen muss. Als er zum Aufschlag ging, lag Deutschland 18:22 hinten. Es war eine Phase, in der niemand mehr ein Applausometer brauchte, um die Begeisterung in der Halle zu hören, zu spüren, um zu staunen: Grozers erster Aufschlag war ein Ass. Sein zweiter auch. Der dritte ein Geschoss. „Ich bin der Typ, der gern riskiert“, sagte Grozer. „Ich habe halt Glück gehabt.“ Plötzlich führten die Deutschen. Aber Grozer ließ nicht locker. Aufschlag Nummer sechs war ein Ass, Nummer sieben flog zum Satzgewinn übers Netz. Das Publikum tobte. Grozer brüllte. Manche hatten Gänsehaut. Das, was sich Kampa gewünscht hatte, war geschafft: Die Atmosphäre stimmte. „Das sind die Momente, auf die die Zuschauer warten, auf die das Fernsehen wartet“, sagte Kampa.

Giani wechselte im dritten Satz ein wenig durch, Grozer beschleunigte den Sieg mit zwei Assen in der Schlussphase. Seine Mannschaft muss ja heute Abend im zweiten Gruppenspiel gegen Belgien (20:10 Uhr, Sport1) dort weitermachen, wo sie am Sonntag aufgehört hat. „Jetzt haben wir die erste Hürde genommen“, sagte Kampa. Die zweite wird vermutlich etwas höher liegen.