Beim Test gegen den THW Kiel am Sonnabend durften die Füchse Berlin bereits Zuschauer in die Halle lassen.
Foto: Michael Hundt

BerlinAufatmen bei Handball, Basketball und Eishockey: Das Schreckgespenst „Geisterspiele“ im deutschen Profisport scheint erst einmal vertrieben zu sein. Die überlebenswichtige Zuschauer-Rückkehr ist offenbar so gut wie beschlossen, die bevorstehende Einigung der Staatskanzlei-Chefs der 16 Bundesländer ebnet den Fans den Weg zurück in die Hallen.

„Wir rechnen mit einer Auslastung von 25 bis 35 Prozent der Hallenkapazität als Bundesvorgabe“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. „Ich hoffe, dass die Richtlinie für uns der Anfang von der Rückkehr ins Geschäft ist.“ Spätestens am Mittwoch erwartet der Top-Funktionär grünes Licht für die Umsetzung.

Während die Politik am Dienstag noch letzte Details festzurrte, um eine gemeinsame Grundlage für alle bundesweiten Sportveranstaltungen mit Fans zu schaffen, sickerten bereits erste Details durch. Für die kleineren und arg coronagebeutelten Sportarten hinter König Fußball gibt es nach harten Monaten wieder eine Perspektive.

Entsprechend groß ist die Erleichterung bei Klubs und Verbänden. „Die Richtlinie zeigt den Willen der Politik und auch einen gewissen Vertrauensvorschuss“, sagte Bohmann und begrüßte „die Abkehr von der restriktiven Bewertung, wie es sie bisher gab“, ausdrücklich.

Bohmann, dessen Liga am 1. Oktober startet, geht derweil von der von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel gebrachten „Probephase mit Fans“ aus, welche nach einem Monat dann neu bewertet werde. Es wäre für Sportarten wie Handball, Basketball und Eishockey ein Meilenstein. „Alles ist besser als die momentane Situation“, sagte Stefan Holz, Geschäftsführer der am 6. November startenden Basketball-Bundesliga.

Zuletzt hatte die Landesregierung in Schleswig-Holstein, Heimat der Handball-Topklubs THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt, 25 Prozent Auslastung im Sport zugelassen. Auch in Hessen darf die MT Melsungen vor bis zu 2100 Menschen spielen, die Rhein-Neckar Löwen mit DHB-Kapitän Gensheimer hatten ihre Halle nach nur 500 zugelassen Fans aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit dagegen abgeriegelt.

Trotz aller Freude über die bevorstehende Zuschauer-Rückkehr merkte Bohmann jedoch auch an, dass die im Frühling wegen Corona abgebrochene HBL in den Jahren zuvor „keine Riesengewinne eingefahren“ habe. Und das trotz Auslastung von 85 bis 90 Prozent. Aber die neue Regelung ist ein Anfang.

Zuletzt glich die Situation eher einem Flickenteppich, der im Fußball für höchst unterschiedliche TV-Bilder sorgte. Mal waren in der ersten Runde des DFB-Pokals 300 Zuschauer im Stadion, mal über 10.000. Eine totale Gleichmacherei wird es aber wohl auch durch den neuen Beschluss nicht geben.

„Man wird der Sache nicht gerecht, wenn man sagt: ,Es gibt für alle dasselbe.' Das hört sich erstmal gut an, aber das führt nicht zu maximal möglicher Sicherheit", sagte Geschäftsführer Marco Baldi von Basketball-Meister Alba Berlin. Ähnliches meinte auch Bohmann: "Die Richtlinie wird für uns kein Freibrief sein, sondern nur einen gesetzlichen Rahmen liefern."

Heißt: Je nach Infektionsgeschehen und Hallenkapazitäten kann die Zahl zugelassener Fans abweichen. Richtig nach Baldis Dafürhalten: „Wir haben eine sehr dynamische Situation. Und wenn man eine dynamische Situation hat, kann man nicht mit statischen Antworten kommen.“

Und so liegt eine Vollauslastung noch in weiter Ferne. Ausverkaufte Hallen werde man „nicht von heute auf morgen hinbekommen“, sagte Bohmann: „Den Weg dorthin bereiten wir gerade vor.“