Am Montag wurde in Ante Covic, 43, der neue Cheftrainer von Hertha BSC vorgestellt. Der in Berlin geborene Kroate war authentisch, locker, eloquent und inhaltlich durchaus angriffslustig. Am deutlichsten wurde das bei zwei Bemerkungen: „Ich will die jungen Profis von der Leine lassen!“, sagte er zu seiner geplanten Spielweise. Und angesprochen auf die beiden Derbys gegen den Aufsteiger 1. FC Union meinte Covic: „Wir freuen uns auf dieses Partien, aber wir wollen sechs Punkte holen. Unsere Fans sollen stolz die blau-weiße Fahne durch die Stadt tragen!“

Im Presseraum war es lange nicht mehr so voll bei einer Trainer-Präsentation. Ich glaube, nur bei Otto Rehhagel, der im Februar 2012 als Retter nach Berlin geholt worden war, drängten sich noch mehr Journalisten im Raum. Damals wurden dem Altmeister unter den deutschen Trainern in Ante Covic und Rene Tretschok zwei Herthaner als Assistenten zur Seite gestellt. So kam Covic zum ersten Mal als Trainer mit der Ersten Liga hautnah in Berührung. Dieses Intermezzo endete im Chaos des unsäglichen Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf.

Seit 1996 bei Hertha BSC

Covic sagte nun auch, dass er als Berliner genau weiß, wie der Verein und die Berliner ticken. Immerhin kam er bereits zur Saison 1996/97 zur Hertha und gehörte zur damals umjubelten Aufsteigermannschaft unter Trainer Jürgen Röber. Ich kann mich noch gut an seine ersten Auftritte als junger Profi erinnern. Sein erstes Spiel im Hertha-Trikot absolvierte Covic am 8. Juli 1996 in einem Test bei Blau-Weiß Rheinsberg. Covic stürmte beim 8:0-Sieg neben Axel Kruse, Michael Hartmann und Michael Preetz.

Seinen ersten Treffer schaffte der schnelle und trickreiche Flügelstürmer am 19. Juli bei einem 4:1-Erfolg im Test beim FC Garmisch-Partenkirchen. Und in Liga zwei stürmte er zum ersten Mal am ersten Spieltag der Saison 1996/97 – einem 1:0 gegen Mainz 05 vor 11.548 Zuschauern im Olympiastadion. Später stieg der junge Ante zu einer Art Teenie-Star auf – wegen seiner offenen, lockeren Art, seiner emotionalen Spielweise, seiner Nähe zu den Fans – und er sah auch gut aus (das trifft auch heute noch zu). 1996 schrieb ich meine ersten Texte über Covic, der nach Toren wunderschön jubeln konnte.

Ein schöner Gedanke

Am Montag sagte er, er sei nun zehn Jahre Trainer und die Zeit sei reif, auch in der Ersten Bundesliga anzutreten. Bereits 2012/13 hatte Covic, der bei Hertha die U15, die U19 und lange erfolgreich die U23 trainierte, beim 59. Trainer-Lehrgang des DFB seine Ausbildung absolviert, u.a. zusammen mit Otto Addo, Markus Anfang, Andre Breitenreiter, Mirko Dickhaut (einem seiner neuen Co-Trainer), Sandro Schwarz und Maik Walpurgis. Zudem fungierte er als sogenannter Karrierecoach an der Schnittstelle vom Amateur-zum Profibereich.

Als seine Vorbilder als Trainer, die er einst selbst als Profi erlebte, bezeichnete Covic Jürgen Röber und Hermann Gerland. „Menschlichkeit“ nannte Covic im Zusammenhang mit diesen beiden Fußballlehrern. Die sei im harten Trainergeschäft wichtig. Ein schöner Gedanke!

Röber: Eins Besessener

Mit dieser Aussage von Covic im Kopf rief ich Jürgen Röber an, der seinen letzten Job als Sportdirektor beim belgischen Erstligisten Royal Mouscron vor wenigen Wochen beendet hatte. Röber freute sich natürlich über die Aussagen von Covic. Röber: „Ante ist ein Fußball-Bekloppter, ein Besessener! Er hat sich ja im Vorfeld bei der U23 lange bewährt und Manager Michael Preetz ist ja lange genug im Geschäft, um Ante richtig einordnen zu können. Ante hat nun auch wegen des neuen Investors gute Voraussetzungen, wird noch einige Verstärkungen bekommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit Ante in der Ersten Liga klappt und er durchaus offensiven Fußball bieten wird. Die Erwartungen werden natürlich recht hoch sein bei den Fans und in der Öffentlichkeit. Aber Ante ist auch sehr ehrgeizig geworden.“

Als ich am Montag Ante Covic viel Glück für seinem neuen Job wünschte, sagte der zu mir: „Mensch, wir beide sind ja immer noch da. Wie Unkraut, das nicht vergeht.“ Ich nahm es als Kompliment und kann damit gut leben.
Hahohe