Hertha ist mit der Verpflichtung des belgischen Stürmers Dodi Lukebakio tatsächlich finanziell in neue Dimensionen vorgedrungen. Die reine Ablösesumme, die an den englischen Premier-League-Klub FC Watford ging, soll 20 Millionen Euro betragen. Den Geldern des Investors Lars Windhorst sei Dank und natürlich konnte Hertha die 22 Millionen Euro Einnahmen nach dem Verkauf von Valentino Lazaro zu Inter Mailand wieder auf dem Markt einsetzen.

Damit hat sich Lukebakio mit Abstand an die Spitze der klubinternen Hitliste der teuersten Transfers gesetzt. Ich weiß noch genau, einst staunten wir über die rund 7,6 Millionen Euro (damals 15,2 Millionen DM), die der Brasilianer Alex Alves im Jahr 1999 kostete. Das galt als Sensation und Alves als Heilsbringer.

Mit dieser Ablösesumme lag der extrovertierte Angreifer, der 2012 nach langer Krankheit starb, viele Jahre an der Spitze der teuersten Einkäufe. Erst David Selke löste ihn 2017 ab – der kam für 8 Millionen Euro von RB Leipzig.

Preetz mit positiver Bilanz

Ich habe einmal zusammengerechnet, was Herthas Manager Michael Preetz seit seinem Amtsantritt im Sommer 2009, als er Dieter Hoeneß ablöste, auf dem Transfermarkt bewegt hat. Es kamen stattliche 99,06 Millionen Euro an Ablösesummen heraus, denen aber rund 114,85 Millionen Euro an eingenommenen Geldern durch Verkäufe von Profis gegenüberstehen. Das ist ein sehr beachtliches und gutes Verhältnis (Quellen: Transfermarkt.de und Archiv Jahn).

Ja, die Zeiten haben sich verändert, die Summen explodieren. Wann hat Hertha BSC eigentlich den ersten Millionentransfer getätigt?

Uwe Rahn als Rekordtransfer

Man muss lange zurückgehen. Als Hertha 1990/91 für ein Jahr in der Ersten Bundesliga spielte und gleich wieder abstieg, hatte man den Stürmer Uwe Rahn von Borussia Mönchengladbach geholt. Der „Fußballer des Jahres“ von 1987 kostete die damalige klubinterne Rekordsumme von 1,6 Millionen DM – umgerechnet also rund 850.000 Euro. Rahn aber war oft verletzt und hatte den Zenit seiner Karriere überschritten. Die hohe Investition hatte sich nicht gelohnt. Er kam nur auf 21 Einsätze und 5 Tore.

Zum ersten Mal über die Millionengrenze in Euro umgerechnet ging Manager Hoeneß nach dem Aufstieg der Hertha 1997. Vor der Spielzeit 1997/98 wurden der elegante Niederländer Bryan Roy (1,6 Millionen Euro), der bullige Kameruner Alphose Tchami (1,1 Millionen Euro) und der vielseitige Zecke Neuendorf (1,1 Millionen Euro) geholt.

Marcelinho auf Platz fünf

Viel investiert wurde auch 2001/02. Der Brasilianer Marcelinho (7,0 Millionen Euro) und der Belgier Bart Goor (6,25 Millionen Euro) belegen noch heute die Plätze fünf und sieben in der Hitliste der Einkäufe und waren ihr Geld auf jeden Fall wert.

Überhaupt kann man sagen, dass sich die Verpflichtungen derjenigen Kicker gelohnt haben, die im Moment in den Top 10 der teuersten Transfers stehen. Selke, Alves, Marcelinho, Lazaro, Goor, Raffael und Duda gehören dazu. Der Schweizer Valentin Stocker (Platz 10), einst für 4,0 Millionen Euro vom FC Basel gekommen, konnte seine Fähigkeiten oft nur andeuten und zu wenig zur Geltung bringen. Die aktuellen Zugänge Eduard Löwen (7 Millionen Euro) und eben Lukebakio müssen erst beweisen, ob sie ihr vieles Geld wert sind. Ab da bin ich sehr zuversichtlich. Die Erwartungen werden allerdings hoch sein.

Hahohe