Positive Meldungen produzierte Hertha BSC zuletzt selten. Eine kam vom Tierpark Berlin. Immerhin setzte sich Hertha gegen zahlreiche Mitbewerber als Pate der kleinen Eisbärin durch. Die trägt nun den Namen Hertha und das ausgerechnet im „Union-Land“, wie einige Einwohner, die in der Nähe des Tierparks in Friedrichsfelde leben, kritisierten. Hertha hatte sich mit einem gelungenen Video um die Patenschaft beworben. Übrigens: der Vorschlag, die kleine Bärin vielleicht nach Hertha zu benennen, kam von Frau Schiller, der Ehefrau des Hertha-Finanzchefs Ingo Schiller. Da Herthas Profis am Vormittag vor den Heimspielen immer im Berliner Zoo spazieren gehen, war eine Affinität zu Tieren durchaus vorhanden.

Leider ging die Nachricht von der Patenschaft ein wenig unter, weil die Turbulenzen um den Stadionneubau die Schlagzeilen beherrschten.

Ich selbst habe es noch nicht geschafft, in diesem Jahr den weitläufigen Tierpark zu besuchen. Dafür war ich natürlich beim Spiel der Hertha gegen Fortuna Düsseldorf im Olympiastadion und habe es enttäuscht verlassen. Nach dem 0:5 in Leipzig hatte auch ich – wie viele andere auch – die Erwartung, dass sich die Mannschaft wenigstens kämpferisch zerreißt – so wie es einst der Spieler Pal Dardai getan hätte. Das aber konnte ich beim besten Willen nicht erkennen.

Langersehnter Auswärtssieg

Mir geht es wie meinem Kollegen Wolfgang Heise vom Berliner Kurier: Ich weiß nicht mehr, wie gut oder schlecht diese Mannschaft eigentlich ist. Die Leistungsschwankungen sind einfach enorm.

Dabei begann die Saison ja so vielversprechend. Endlich ein langersehnter Auswärtssieg in Gelsenkirchen (2:0 /2. Spieltag), endlich ein Heimsieg gegen Bayern München nach großem Kampf (2:0/6. Spieltag). Und dazwischen zwei furiose Auftritte. Ich war beim Auswärtsspiel in Wolfsburg dabei und sehr angetan von der offensiven, frechen Spielweise der Mannschaft. Beim 2:2 (3. Spieltag) gelangen Javeiro Dilrosun nach Solo und Schuss aus spitzem Winkel und Ondrej Duda mit einem raffinierten Freistoß unter die VfL-Abwehrmauer hindurch zwei Klasse-Tore. Es machte Spaß, dieses Team zu beobachten. Das anschließende 4:2 im Olympiastadion gegen Mönchengladbach (4. Spieltag) war für mich sogar das attraktivste Heimspiel der letzten Jahre überhaupt.

Und nun? Wieder eine Rückrunde, die zu viele enttäuschende Auftritte brachte. Schwankungen und Rückschläge sind normal, aber ab und an recht leblose Spiele sind zu kritisieren. Dennoch sehe ich persönlich jetzt zuerst und zuvorderst die Profis in der Pflicht. Die Kritik, die nun auf Pal Dardai einprasselt, folgt den „Gesetzen“ der Branche. Dardais jüngste Medienschelte kenne ich nur aus Erzählungen von Kollegen. Sie hat mich verwundert, weil sämtliche Berliner Medien die Entwicklung der Mannschaft, die ein langwieriger Prozess ist, aus meiner Sicht wohlwollend und meist realistisch begleitet haben.

Dennoch: Man sollte jetzt in Ruhe mit dem Trainer Dardai weiterarbeiten. Er ist das Gesicht des Vereins und genießt in der Liga hohe Anerkennung und Sympathie. Ihn zu verlieren, wäre ein schwerer Verlust! Wenn Rainer Widmayer nach der Saison Berlin verlässt, sollte ein Assistent von außen kommen, der neue Ideen einbringt und menschlich gut zu Dardai passt.

Ich habe bei Hertha in meiner Zeit als Reporter insgesamt 22 Trainer bei der Arbeit erlebt. Keiner identifizierte sich so mit diesem Verein und dieser Stadt wie Pal Dardai. Nur Jürgen Röber, der von 1996 bis 2002 eine Ära prägte, kann man mit Dardai vielleicht vergleichen. Das jähe Ende einer Erfolgsstory, die bislang noch unvollendet ist, sollte man bei Hertha vermeiden. Die Folgen wären schwer absehbar.

Hahohe!