Fabian Lustenberger, 30 Jahre jung, seit 2007 bei Hertha BSC und damit der dienstälteste Profi im Aufgebot, bereitet sich gerade auf seine 12. Saison im blau-weißen Trikot vor. Er schwitzt mit seinen Teamkameraden im Trainingslager in Schladming in Österreich. 191 Erstligaspiele und 51 Zweitligaspiele für Hertha stehen in seiner Vita.

Zwei Tage vor der Abreise ins Trainingslager aber nahm sich Lustenberger Zeit, der Schweizer Profi besuchte den 17-Jährigen Lukas  im Helios-Klinikum in Berlin-Buch. Den hatte er vor einigen Wochen kennengelernt, als er vom Verein „Kolibri“ (Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V.) zu einem Schau-Kochen ins Klinikum eingeladen worden war und sich an Zürcher Geschnetzeltes wagte. 

Wiedersehen mit Lukas

Ich habe den einstigen Mannschafts-Kapitän von Hertha bei seinem Wiedersehen mit Lukas begleitet und einmal die andere Seite des Profis kennen- und schätzen gelernt – sein soziales Engagement, von dem er wenig Aufhebens macht.

Wie ist der Kontakt nach Buch überhaupt entstanden? In der Vorweihnachtszeit startete der Bundesligist Hertha BSC eine Aktion „Herthaner helfen“, wo Menschen in schwierigen Situationen unterstützt werden und die Profis sich vor Ort engagieren. Der Verein „Kolibri“ wandte sich an Hertha mit der Bitte, Kinder und Jugendliche, die in Buch in der Onkologie behandelt werden, zu unterstützen und vielleicht mit einigen Laptops Freude in den schwierigen Alltag zu bringen. Die Patienten müssen oft viele Wochen und gar Monate in der Klinik verbringen und solche Tablets sind oft die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Außenwelt zu halten und auch Filme zu schauen.

Bodenständiger Profi

Andreas Landgraf, ein engagierter, ehrenamtlicher „Kolibri“- Mitarbeiter, stellte den Kontakt zu Hertha her und lernte dabei Fabian Lustenberger kennen. Der übergab vor Weihnachten fünf Laptops an die Onkologie-Station. Bei seinem Besuch nahm sich der bodenständige Profi viel Zeit, beantwortete die zahlreichen Fragen der Kinder, machte Fotos und gab Autogramme.

Landgraf, der Organisator der Begegnung, kam durch einen Schicksalsschlag zu „Kolibri“. Sein Sohn Justin, der recht talentiert Fußball bei Blau-Weiß Petershagen spielte, erkrankte mit 16 Jahren plötzlich an Leukämie. Als Justin nach langer Behandlung das Klinikum in Buch als geheilt verlassen konnte, beschloss dessen Vater, sich bei „Kolibri“ einzubringen. Das tut er nunmehr seit vier Jahren. „Justin hatte sich ins Leben zurückgekämpft, jetzt unterstütze ich andere Kinder auf diesem oft schweren Weg“, sagt Landgraf.

Fabian Lustenberger hat das Engagement von Andreas Landgraf beeindruckt. Er steht in engem Kontakt mit ihm. Anfang August nahm Lustenberger über den Verein „Kolibri“ Kontakt zu Lukas auf  Der muss sich gerade einer Chemotherapie unterziehen. Der Junge und seine Eltern freuten sich sehr, als Fabian Lustenberger mit einem nagelneuen Laptop als Geschenk auftauchte. Außerdem hatte der Profi Geld gesammelt und einen Scheck über 8.000 Euro an „Kolibri“ übergeben.

Zuverlässig auf dem Platz

„Ich habe selbst drei Kinder“, erzählte Lustenberger, „die sind Gott sei Dank gesund. Gesundheit ist das Wertvollste, was man haben kann. Mit meiner Hilfe für erkrankte Kinder will ich auch etwas zurückgeben, denn mir geht es ja als Fußballprofi sehr gut. Wenn man mit solch einer Aktion wie dem Verschenken eines Laptops ein wenig Freude bereiten und im Gespräch auch Zuversicht vermitteln kann, dann fühlt man sich gut.“

Bislang kannte ich Lustenberger als äußerst zuverlässigen Profi auf dem Platz, als eher zurückhaltend außerhalb des Rasens, als höflichen Gesprächspartner und als meinungsstarken jungen Mann, wenn er nach bestimmten Themen gefragt wurde. Nun habe ich ihn als ernsthaften Unterstützer erlebt, der mit seiner lockeren und optimistischen  Art auch bei den jungen Patienten gut ankommt.

Nicht der letzte Besuch

Es ist nicht einfach, wenn man auf krebskranke Kinder und deren Eltern trifft. Ich habe es nun selbst als Begleiter des prominenten Fußballers erlebt und noch lange danach über unseren Klinik-Besuch nachgedacht. Gut, dass es solche Menschen wie eben Lustenberger und Andreas Landgraf gibt. Für Fabian Lustenberger war es nicht der letzte Besuch im Klinikum Buch. Der Kontakt zu „Kolibri“ bleibt bestehen.

Und vielleicht kann er auch irgendwann einen geheilten Lukas wieder treffen. Auch ich hoffe das sehr.