Am Dienstag bekam ich Besuch aus der Schweiz. Einen Tag zuvor hatte sich ein Team des Senders Télévision Suisse Romande (RTS) mit Sitz in Genf angesagt. Die Kollegen senden für die französischsprachige Schweiz. Man habe meine Bücher über Hertha BSC gesehen und teils gelesen, hieß es am Telefon. Man wolle ein Interview mit mir führen über Hertha und den 1. FC Union und über die Rivalität der beiden Fanlager. Ich sagte gerne zu.

Mit vier Kollegen tauchten die Schweizer, meist recht junge, sehr sympathische Journalisten, bei mir zu Hause auf: eine Kamerafrau, ein Tonmann, ein Redakteur und ein Übersetzer vom Deutschen ins Französische. Die schöne Sprache der Franzosen oder auch der Französisch sprechenden Schweizer habe ich leider nie gelernt. Schade!

Jede Menge Gesprächsstoff

Fantin Moreno, der federführende Redakteur, entpuppte sich schnell als Fan von Servette Genf und wir hatten sofort Gesprächsstoff. Doch die Sache ist so: der Schweizer Sender bereitet eine größere Dokumentation vor zum Thema „30 Jahre Mauerfall und seine Folgen“. Kamerateams schwärmen etwa nach Bukarest, Belgrad und Tirana aus, widmen sich Themen wie der Kunst und Kultur, des Tourismus etc. Wie hat sich der Mauerfall auch auf diese Länder ausgewirkt?

Beim Drehort Berlin als wichtiger Schauplatz steht der Fußball mit Hertha und Union im Mittelpunkt der geplanten Dokumentation.

Besuch in der Alten Försterei 

Die Schweizer befragten Fans aus beiden Lagern, besuchten die Alte Försterei und das Olympiastadion. Als Zeitzeuge, der viele Jahre über beide Vereine in der Berliner Zeitung berichtet hat, war auch ich gefragt.

Wie ist die Historie der beiden Klubs? Wie deren Identität? Wie war das Verhältnis der Fans beider Vereine vor dem Fall der Mauer? Warum haben Union-Anhänger Spiele der Hertha im Uefa-Pokal im sozialistischen Ausland besucht? Wann kamen Hertha-Fans in die Alte Försterei? Warum veränderte sich das gute Verhältnis nach dem Mauerfall? Wie setzen sich die Fangruppen zusammen? Wer kommt ins Olympiastadion?  Wie hat Hertha unter der Teilung der Stadt gelitten? Warum ist das Stadion so selten ausverkauft? Was erwartet man vom Derby in der Ersten Liga?

Und natürlich fragte Servette-Fan Moreno nach dem Wirken von Lucien Favre einst bei Hertha BSC. Der Redakteur aus Genf wünscht sich Favre irgendwann als Nationaltrainer der Schweiz.  Das wird meiner Meinung nach nicht so schnell passieren, denn Favre braucht die tägliche Arbeit auf dem Platz um glücklich und zufrieden zu sein.

Allerlei spannende Projekte

Ob man Berlin nun auch als Fußballstadt bezeichnen kann, wollten die Schweizer wissen? Meine Antwort: Ja! Zwei Erstligisten sprechen dafür und in der Regionalliga gibt es zahlreiche spannende Projekte mit Traditionsklubs, die nach oben streben. Unzählige Jugendmannschaften kommen hinzu.

Die beiden Bundesligaklubs und deren Verhältnis, das Miteinander oder auch die Gegensätze von Ost und West sind von großem Interesse – auch in der Schweiz. Die Dokumentation soll im September/Oktober gesendet werden. Ich bin gespannt.

Hahohe