Den Doppelpass mit Thomas Helmer hatte Pal Dardai schon vor 16 Jahren geübt – auf dem Rasen. Abwehrspieler Helmer, Europameister 1996, gab 1999/2000 ein Intermezzo bei Hertha BSC, wo Dardai schon eine feste Größe war. Vier Bundesligaspiele und drei Duelle in der Champions League haben beide gemeinsam im blau-weißen Trikot bestritten.

Am zurückliegenden Sonntag kam es in der TV-Sendung, die den Namen „Doppelpass“ trägt, auf Sport 1 zum ersten Mal zum längeren öffentlichen verbalen Zusammenspiel der beiden – Helmer als Moderator und Dardai als Cheftrainer des Tabellendritten der Bundesliga. Dardai twitterte später: „Auftritt geschafft, ein bisschen wenig Hertha.“ Er hatte Recht. Auch ich sass pünktlich um 11 Uhr vor dem Fernseher und musste ewig warten, bis der Ungar endlich in den Mittelpunkt der beliebten Runde gerückt wurde. Meine Frau hatte das leckere Mittagessen längst fertig.

Unglücklich komponiert

Zuerst ging es beinahe 50 Minuten um den VfL Wolfsburg, was wohl dem Schauplatz der Debatte geschuldet war. Die Sendung kam nicht traditionell vom Münchner Flughafen-Hotel, sondern aus der Autostadt nahe der VfL-Arena. Auf den ellenlangen VfL-Block folgte die ewige Schiedsrichter-Debatte, die Dardai wenigstens mit einer Episode auflockern durfte. Erst danach ging es endlich um die Hertha. Sehr spät und auch ein bisschen oberflächlich – aus meiner Sicht jedenfalls. Der Sendeablauf war nicht glücklich komponiert.

Pal Dardai wurde natürlich gedrängt, ob und wann er die Saisonziele endlich nach oben korrigieren wird. Er blieb seiner Linie und der von Manager Michael Preetz treu. Er blieb ein sympathischer Realist. Erst wenn das Team 46 Punkte auf dem Konto habe (und damit zehn mehr als in der Vorsaison, wie von ihm gefordert) könne man neu nachdenken. Er arbeite von Spiel zu Spiel und setze lieber kleinere Zwischenziele.

Die Gänsehaut zur Hymne

Dardai, der einst sieben Spiele in der Champions League absolvierte, wird allerdings bei weiteren Erfolgen garantiert nicht sagen, dass Europa zu früh für seine Mannschaft käme. Dafür ist er zu ehrgeizig und er kennt die Gänsehaut beim Einlaufen zur Hymne der Champions League genau.

Vor nunmehr 16 Jahren -lang, lang ist es her - gehörte auch ich als Reporter zum Tross der Hertha, der in der Champions League mit Helmer, Dardai und Torjäger Michael Preetz unterwegs war. Istanbul, London, Mailand, Prag, Porto, Barcelona hießen die attraktiven Stationen. Tolle Städte, tolle Stadien, großartige Gegner. Plötzlich gehörten wir zum Jetset. Das war natürlich aufregend.

Damals, nach lukrativen Einnahmen in der Königsklasse, wollte Hertha zu schnell den ganz großen Erfolg. Der Weg nach oben sollte im Blitzdurchgang geschafft werden. Sogar ein Antrag auf Aufnahme in den erlauchten Kreis der G14, der besten Mannschaften Europas, wurde gestellt.

Die Vorteile der Champions League

So etwas wird man von den gegenwärtigen Entscheidungsträgern der Hertha nicht erleben. Zuviel ging seit 2010 auch schief. Man stellt sich der Realität und kann die eigenen Möglichkeiten besser einschätzen als einst.

Dennoch: Zu früh kann die Champions League natürlich für Hertha und Berlin nicht kommen. Sie bringt unglaubliche Vorteile.

So, jetzt habe ich genug geschwärmt, auch ich bin Realist und würde mich auch am Saisonende über die Plätze vier bis sieben in der Bundesliga freuen. Eines ist schon jetzt, nach 23 Spieltagen, gewiss: Ich habe lange nicht solch eine entspannte Saison –ohne jegliche Sorgen – erlebt. Auch das macht sehr viel Spaß.

P.S.: Immerhin nahm Dardai am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt das Wort Champions League kurz in den Mund. „Wenn wir 52 Punkte haben, aber schnell und nicht erst am letzten Spieltag, können wir darüber reden.“

 

Darauf ein internationales Ha-Ho-He!