Ha-Ho-He: Ist Hertha zu langweilig? Nein, der Berliner Klub ist in der Bundesliga einmalig!

Nur 33.981 Zuschauer sahen den verdienten 2:1-Sieg der Hertha gegen Mainz 05. Eine schwache Kulisse. Ich frage mich, ist Hertha im Moment zu langweilig, zu wenig attraktiv? Oder warum kommen nicht mindestens 45.000 Menschen ins Olympiastadion? Liegt es daran, dass nach oben in der Tabelle nicht mehr allzu viel drin zu sein scheint? Und nach unten nichts mehr passieren kann? Obwohl: die Europa League ist doch noch immer greifbar…

Ich weiß es nicht. Liegt es etwa daran, dass es schon lange keine ausgeflippten Profis mehr im Team gibt, wie etwa einst die Alex Alves und Marcelinho oder auch ein Marko Pantelic? Spieler, die polarisierten und auch mal über die Strenge schlugen? Manch Fan sehnt sich nach solchen Typen. Das weiß ich aus vielen Gesprächen.

Braucht der Berliner Fan nur den Kampf um die Spitze oder gar den Nervenkitzel im Abstiegskampf? Auf Letzteres kann ich gut verzichten.

In der Bundesliga regiert das Chaos

Ich glaube, man sollte in Sachen Hertha BSC doch einmal auf etwas ganz anderes aufmerksam werden und angesichts der Turbulenzen bei vielen Bundesligaklubs die relative Ruhe rund um den Verein schätzen. Schaut man auf die heftigen Probleme in der Liga, ist Hertha eine Oase der Kontinuität. In Nürnberg wurden zuerst der Sportvorstand und danach der Trainer entlassen. In Stuttgart arbeitet der zweite Coach im Kampf gegen den Abstieg und der zuerst als allmächtig geltende Sportvorstand wurde entlassen. In Hannover versucht auch der zweite Trainer, den drohenden Abstieg zu vermeiden und stößt an seine Grenzen. Auf Schalke regiert das Chaos, trat zuerst der Manager zurück und bekam der Trainer nun noch eine Gnadenfrist.

Beim VfL Wolfsburg wird trotz guter sportlicher Bilanz öffentlich über Trainer Bruno Labbadia diskutiert, dem offenbar kein besonders guter Draht zu seinem Sportdirektor Jörg Schmadtke nachgesagt wird. Sinnlose Scharmützel und ein Kampf der Eitelkeiten.

Dardai, Preetz und Gegenbauer stehen für Kontinuität

Und bei Hertha? Es gibt wohl kaum einen anderen Erstligaverein, der so durch personelle Kontinuität in den Führungspositionen besticht. Manager und Geschäftsführer Michael Preetz ist seit 2009 im Amt. Er hatte einst Dieter Hoeneß abgelöst. Der Vertrag mit Preetz wurde mehrmals verlängert, zuletzt bis ins Jahr 2022. Den letzten Trainerwechsel gab es im Februar 2015, als Pal Dardai den Holländer Jos Luhukay beerbte. Dardai besitzt einen unbefristeten Vertrag als Trainer im Nachwuchsbereich bei Hertha. Sein Kontrakt als Chefcoach der Profis muss jährlich neu bestätigt werden, was im Januar 2019 geschah. Dardai ist natürlich auch in der Saison 2019/20 der Chef bei der Hertha. Gut so!

Und der Präsident? Werner Gegenbauer ist seit 2008 im Amt und 2016 wieder für vier Jahre gewählt worden. Also, in einem ruhigen Moment sollte man diese Dinge, das unaufgeregte Agieren der wichtigen Personen, als wohltuend einschätzen.

Und: Zum nächsten Heimspiel gegen Borussia Dortmund ist das Olympiastadion endlich wieder ausverkauft. Hertha und sein Publikum brauchen halt die großen Gegner, um zu großer Form aufzulaufen.

Hahohe