Am Dienstagabend war ich im Live-Ticker-Fieber. Ja, so etwas gibt es im Zeitalter der digitalisierten Welt nach dem Motto „Immer schneller, immer näher dran.“ Ich tickerte auf meinen I-Pad ständig hin und her zwischen dem Live-Ticker auf www.herthabsc.de, dem Ticker der Berliner Zeitung und im Blog der Berliner Morgenpost auf www.immerhertha.de. Bei Letzterem kann man gleich mehr oder weniger interessante Kommentare der User verfolgen, ihr Hoffen und Bangen, ihr Flehen und ihre ab und an schon sarkastische Kritik an einzelnen Spielern. Zwischendurch natürlich Multitasking, in dem ich den Videotext der ARD einschaltete. Zur Erklärung: Ich habe zu Hause kein Sky, wo das DFB-Pokalspiel zwischen dem FSV Frankfurt und Hertha BSC übertragen wurde. Und in die Kneipe zu gehen, hatte ich keine Lust. Also Live-Ticker überall.

Es gibt ja inzwischen für fast alle Ereignisse einen solchen Ticker. Beim Streik der Lokführer, bei einer Bombenentschärfung, zur Griechenland-Krise, zum Wetter oder zum EU-Gipfel. Gott sei Dank auch in der Fußball-Bundesliga und im DFB-Pokal. Wie war das eigentlich früher, als es noch kein Internet gab und keine Handys? Ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich aber, dass ich als junger Reporter nach Fußballspielen immer eine Telefonzelle gesucht und besetzt hatte, um meinen Text per Telefon an die Redaktion durchzugeben. Entweder es war eine tolle Sekretärin in der Aufnahme dran oder später konnte man auf ein Band sprechen. Das ging erheblich schneller. Das Wort Live-Ticker existierte noch nicht.

Am Dienstagabend schimpfte ich mächtig, als das 1:0 für den FSV Frankfurt im Live-Ticker in roter Schrift aufleuchtete. Mann O Mann, rief ich, auch unter Pal Dardai können die keinen DFB-Pokal! Dabei hatte der Ungar als Saisonziel das Erreichen des Endspiels im eigenen Stadion ausgerufen. Ganz klar, ein mutiges Ziel, aber soll Hertha immer sagen: „Wir fliegen ja sowieso in Runde zwei aus dem Wettbewerb!“ Ein paar Minuten später entspannte ich mich. Salomon Kalou hatte das 1:1 erzielt. Na bitte! Auch als es in die Verlängerung ging, blieb ich ruhig und optimistisch. Wieder war es Kalou, der per Elfmeter den Sieg erzwang. Mein Fazit nach der Live-Tickerei: Diese Hertha-Mannschaft ist endlich cleverer und reifer geworden. Sie gewinnt nun auch schwere Spiele, in denen sie nicht spielerisch brilliert. Sie ist sehr gefestigt und wird noch häufig positiv überraschen.

24 Pokal-Duelle

Ich hatte einmal im Vorfeld des gestrigen Pokalabends in meiner persönlichen Statistik nachgeschlagen. Ich selbst habe als Hertha-Reporter 24 DFB-Pokalspiele der Hertha live erlebt und von diesen Duellen berichtet. Dass es nicht erheblich mehr wurden, lag an den jeweiligen Hertha-Teams, die oft in Runde zwei ausgeschieden sind. Ich sah 11 Siege und 13 Niederlagen.

Das wohl dramatischste aller Pokal-Dramen (welch Steigerung!), bei dem ich vor Ort war, spielte sich 2003 in Rostock ab. Hertha-Trainer Huub Stevens musste mit einem ungewöhnlichen Ultimatum leben. Er musste damals zwei Spiele in Folge gewinnen, sonst wäre der Holländer, der sich als Limburger bezeichnet, entlassen worden. Der Zufall wollte es, dass Hertha zweimal binnen einer Woche zum damals noch erstklassigen FC Hansa Rostock reisen musste. In der Liga gab es einen 1:0-Sieg, dann folgte der Pokal. Nach 90 Minuten stand es 1:1, nach 120 Minuten 2:2, wobei Nando Rafael den Ausgleich erst in der letzten Minute der Nachspielzeit erzielt hatte.

Das Elfmeterschießen noch einmal zum Nachlesen und Gänsehautbekommen: 2:3 Simunic, 3:3 Rydlewicz, 3:4 Mladenow, Kiraly hält gegen Max, Schober hält gegen Schmidt, 4:4 Lantz, 4:5 Kovac, Persson schießt drüber, Marcelinho schießt daneben, 5:5 Tijkuzu, 5:6 Wichniarek, Kiraly hält gegen Plassnegger. Ein unvergessliches Spiel.

So dramatisch wurde es in Frankfurt beim tapferen FSV natürlich nicht. Muss ja auch nicht sein. Es sollen ja weitere Pokalspiele kommen bis zum Finaltag im Mai. Mehr Spaß, als am Live-Ticker zu sitzen, macht es natürlich, live im Stadion dabei zu sein. Nun hoffe ich auf ein Heimspiel im Achtelfinale. 80 Prozent der Pokalspiele seit 1997 musste die Hertha nämlich auswärts bestreiten.