Zuletzt kam Pal Dardai ein paar Minuten zu spät zur Pressekonferenz. Seine Videoanalyse vor der Mannschaft nahm mehr Zeit in Anspruch, als ursprünglich geplant. Macht nichts! Dardai versprach den wartenden Journalisten „beim nächsten Mal Kuchen.“ Ich bin gespannt. Wird es ein Quarkkuchen sein oder ein Streuselkuchen oder gar ein leckerer Mohnkuchen? Oder ist der Trainer vergesslich? Eigentlich egal, Hauptsache er gewinnt mit seiner Mannschaft viele Spiele.

Der Ungar versteht es – trotz aller Ernsthaftigkeit des Geschäfts – eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Dabei wurde er unter anderem schon nach dem 9. Spieltag gefragt, ob es denn bald eine Verlängerung seines Vertrages geben würde. Das Sportmagazin Kicker hatte angedeutet, dass Manager Michael Preetz darüber nachdenken würde. Zitat Preetz: „Bei aller Unberechenbarkeit des Tagesgeschäfts – wir haben natürlich vor, in der jetzigen Konstellation weiterzuarbeiten.“ Dardai lächelte und zeigte sich angesichts der Frage vor allem als eines: als Genießer. Doch der Reihe nach.

Verträge im Fußball-Geschäft sind manchmal sehr schnell Makulatur. Das weiß auch Pal Dardai. Vorzeitige Trennungen auch von Trainern, die meist mit Arbeitspapieren über zwei oder auch mal drei Jahre ausgestattet werden, sind schmerzhaft und werden für die Klubs oft zu teuren Unterfangen, wenn fette Abfindungen gezahlt werden müssen. Das hat auch Herthas Manager Michael Preetz in den zurückliegenden Jahren erleben müssen. Unter seiner Ägide wurden die Kontrakte mit Lucien Favre, Markus Babbel, Michael Skibbe und Jos Luhukay vorzeitig aufgelöst. Nur bei Friedhelm Funkel und bei Altmeister Otto Rehhagel liefen die Verträge aus, wurden nicht verlängert und man ging friedlich auseinander.

Was das alles mit Pal Dardai zu tun hat? Herthas Rekordspieler bekam von Preetz, mit dem er einst sechs Jahre gemeinsam in einer meist erfolgreichen Mannschaft stand, einen ungewöhnlichen Vertrag – vielleicht das ausgefallenste Konstrukt in der aktuellen Bundesliga-Saison. Der Ungar aber kann damit sehr gut umgehen, genießt die Zeit mit diesem Arbeitspapier und man merkt dem 39-Jährigen den Spaß an seiner Tätigkeit an. Das scheint mir eher selten geworden in diesem Geschäft, das immer wieder Bilder von total aufgeregten und gestressten Fußball-Lehrern liefert. Kein Wunder: die Extreme sind groß. Cheftrainer werden zu Heilsbringern oder Halbgöttern gemacht (siehe Jürgen Klopp in Liverpool) oder später auch als Deppen fallengelassen.

Dardai jedenfalls besitzt einen unbefristeten Vertrag als Jugendtrainer, denn er arbeitete ja vor seiner Inthronisierung als Cheftrainer als Coach der U15 bei Hertha. Und das mit Erfolg. Zudem besagt sein Vertragswerk, dass er ein Arbeitspapier als Chefcoach der Profis bis Juni 2016 besitzt, bei dem sich der Verein eine einseitige Option auf eine Verlängerung gesichert hat. Das Kluge an diesem Vertrag ist, dass Dardai und Hertha bei einem Scheitern des Ungarn als Chef nicht als große Verlierer vom Platz gehen würden. Dardai könnte dann weiter im Verein bleiben und zur Jugendabteilung zurückkehren, Preetz müsste seinen Freund nicht entlassen. Doch daran denkt niemand. Im Gegenteil.

Eine Einstellung, an die wir uns öfter erinnern sollten

Pal Dardai ist natürlich ein ehrgeiziger Mann, der auch als Trainer unbedingt Erfolg haben möchte. Er geht wunderbar ungezwungen mit seiner Situation um. Also antwortete er auf die Frage, ob und wann sein Vertrag vielleicht verlängert werden könnte: „Das ist kein Thema bei mir. Das ist nie ein Thema gewesen. Ich genieße lieber die Situation, ich genieße die Stadt, die Menschen, die Fans, meine Familie, die Umgebung und sogar die Medien. Wir sind in einer guten Phase. Das ist wunderbar. Wir wollen die Fußballkultur im Verein weiterentwickeln. Und wenn ich das gut mache und Erfolg habe, kommt der Manager im Mai und zieht seine Option.“

Einem Typ wie Dardai nimmt man diese klaren Worte ab. Und dann folgte noch ein bemerkenswerter Satz: „Und wenn meine Familie sagt, sie braucht mich wieder mehr zu Hause, dann gehe ich sowieso zurück zum Nachwuchs.“ Immerhin muss sich Pal um seine Frau und seine drei Söhne kümmern. Zudem hat er auch oft seinen geliebten Vater Pal Senior aus Pecs zu Gast.

Herthas Chefcoach genießt also die Gegenwart intensiv. Eine gute Einstellung, an die wir uns alle im Alltag öfter erinnern sollten.

Darauf ein optimistisches Ha-Ho-He!