Man kann davon ausgehen, dass Thomas Müller, der beliebte Bayern-Profi, im Spiel gegen die Ukraine in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften in Frankreich steht. Denn: Müller gilt als unverzichtbar. Der Angreifer mit der offiziellen Positionsangabe „hängende Spitze“ hat schon unglaublich viel erreicht mit seinen gerade einmal 26 Jahren. Er ist Weltmeister, Champions League-Sieger, DFB-Pokalsieger und fünfmal Deutscher Meister. Und das – süffisant ausgedrückt- mit seinem Allerweltsnamen.

Doch wenn man ein wenig zurückschaut, stellt man schnell fest, dass es schon oft gemüllert hat im deutschen Fußball. Und wie! Das gilt im Kleinen auch für Hertha BSC. Allein neun Nationalspieler mit dem Namen Müller liefen bislang für Deutschland auf. Bei Hertha trugen vier Profis das Berliner Trikot mit dem Namen Müller auf dem Rücken.

Als ich in diesen Tagen in alten Bänden der Fußballwoche geblättert habe, fielen mir zahlreiche Artikel über einen gewissen Ludwig Müller, von allen nur Luggi genannt, in die Hände. Luggi, Jahrgang 1941, ein gestandener Libero mit Klasse, kam einst zu sechs Länderspielen für Deutschland. Damals spielte er für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg. 1972, nach dem unsäglichen Bundesligaskandal, bei dem Bestechungsgelder flossen, holte Hertha Luggi Müller nach Berlin. Der vorbildliche Sportler, ein Mann aus Franken, trug schnell zur Verbesserung des Ansehens von Hertha bei, dass nach dem Skandal, in den auch 15 Hertha-Profis verwickelt waren, arg gelitten hatte. Hertha zahlte immerhin 60.000 Mark Ablöse an Mönchengladbach und 70.000 Mark Handgeld an Luggi. Das lohnte ich.

Als es im Olympiastadion kräftig müllerte, schaffte Hertha 1974/75 gar Platz 2 in der Bundesliga. Bis heute die beste Platzierung! Müller, ein Anführer auf dem Platz, führte zudem mit seiner Frau viele Jahre ein Damenmodengeschäft im fränkischen Haßfurth. Immerhin kam er noch auf 97 Bundesligaspiele für Hertha, die er in Serie bestritt!

Zurück zu den müllernden Nationalspielern - außer dem schon genannten Luggi. Das waren Dieter Müller (1.FC Köln/12 Einsätze), Ernst Müller (Hertha BSC/1 Einsatz/1931!), Friedrich Müller (Dresdner SC/2 Einsätze), der berühmte Torjäger Gerd Müller (FC Bayern/62 Einsätze),  der elegante Hansi Müller (VfB Stuttgart/Inter Mailand/42 Einsätze), Henry Müller (Victoria Hamburg/9 Einsätze),  Josef Müller (Phönix Ludwigshafen/12 Einsätze) und natürlich Thomas Müller, der schon 71 Länderspiele bestritt und dabei  32 Tore schoss. Das ist eine großartige Bilanz. Noch liegt bei den Müllers der Gerd („kleines dickes Müller“) mit 68  Treffern in 62 Länderspielen für Deutschland vorn.  Diese Quote wird nur schwer zu übertreffen sein.

"Kudi" Müller und der "krasse Chris aus Kreuzberg"

Und bei Hertha BSC? Außer dem großen Luggi Müller, den alle im Verein verehrten, spielten noch diese Müllers: Kurt „Kudi“ Müller, ein Nationalspieler aus der Schweiz (77 Spiele/20 Tore), Robert Müller (1 Spiel) und Christian Müller (16 Spiele/2 Tore). „Kudi“ Müller aus Luzern war ein beliebter Stürmer in den erfolgreichen 70er Jahren der Hertha. Er kennt auch die aktuellen Schweizer bei Hertha, Fabian Lustenberger und Valentin Stocker, sehr gut.

Robert Müller schaffte bei Hertha nicht den Durchbruch, spielte in einigen Vereinen in der zweiten und dritten Liga und ist im Moment beim VfR Aalen unter Vertrag. Christian Müller – die BZ nannte ihn einst den „krassen Chris aus Kreuzberg“ – zog es vor einiger Zeit von Arminia Bielefeld nach Ungarn. Dort ist er beim Traditionsklub Vasas Budapest im Aufgebot. Vasas wird vom deutscher Trainer Michael Oenning geleitet.

So, nun ist genug gemüllert. Warten wir gespannt, was Thomas Müller bei der EM vollbringen kann. Zur Erinnerung: bei der WM 2010 wurde er mit fünf Treffern Torschützenkönig, bei der WM 2014 in Brasilien schaffte er fünf Tore und fünf Vorlagen! Eine starke Bilanz.