Anfang dieser Woche hat die Medienabteilung von Hertha BSC einige Fotos vom Mannschaftsbus ins Netz gestellt, der mit neuen Losungen und Symbolen beklebt worden ist und zum ersten Mal im neuen Gewand beim DFB-Pokalspiel am Montagabend in Stadion von Braunschweig zu bewundern war. „Wir sind ein Berliner“ prangt groß auf dem Gefährt und die Wappen aller Berliner Stadtbezirke. Das hat Glück gebracht, Hertha gewann 2:1 und kann weiter vom Finale im eigenen „Wohnzimmer“ träumen.

Herthaner für den Kiez

Ich finde, die neue Marketingstrategie ist ein starkes Signal – an die Stadt Berlin, an die Berliner Fans. Cheftrainer Pal Dardai sagte: „Am liebsten wäre mir, alle Berliner würden Hertha-Fans werden.“ Das geht natürlich nicht, aber neue Anhänger zu gewinnen muss eine Aufgabe des gesamten Vereins sein. Das dies in erster Linie über starke und attraktive Auftritte auf dem Rasen funktioniert, sollte jedem klar sein.

Realistische, begreifbare Marketingmaßnahmen sind dafür wichtige Begleiterscheinungen. Bei Hertha hat man endlich umgedacht und sich eine neue, bodenständige Marketingstrategie ausgedacht oder besser: man hat sich rückbesonnen. Die Ankündigung,  in dieser Spielzeit wieder mit der Mannschaft in die Kieze zu gehen, ist eine sehr gute Sache.  Ich habe mich immer gewundert, warum man diese Aktion, die zu Zweitligazeiten eingeführt wurde, so schnell aufgegeben hatte. Immer wenn Hertha damals in einem Kiez auftauchte – ob im Prenzlauer Berg oder in Neukölln – glich der Auftritt kleinen Volksfesten und vor allem die jungen Fußballer aus den Bezirken waren begeistert. Nun wird das Team um Kapitän Vedad Ibisevic wieder Amateurklubs in den Bezirken besuchen, dort ein öffentliches Training abhalten und  auf die Zuschauer zugehen. Ehe die Fans ins Stadion kommen, muss man eben auch ab und an zu den Fans gehen – dorthin, wo diese leben, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und sich auf die Spiele im Olympiastadion freuen. So entsteht Identifikation.

Frischer Wind kam nicht gut

Der vor zwei Jahren verkündete Slogan „We try. We fail.  We win.“ hatte viel Unverständnis hervorgerufen. Das Ziel, damit cool und dynamisch daherzukommen, rief vor allem eins hervor: Kritik. Neue Start-up-Leute wollte man ins Stadion locken, aber man vergaß dabei zunehmend die treuen Fans, die seit vielen Jahren die Mannschaft zu Hause und bei Auswärtsspielen begleiten.

Immerhin hatte Hertha zuletzt einen Zuschauerrückgang von rund 4.000 Besuchern zu beklagen.

Wenn die neuen Aktionen mit Leidenschaft durchgeführt werden – Spieler, Trainer und Manager auf die Anhänger in den Kiezen zugehen – kann eine neue Lust auf Hertha entstehen.

Noch ein Vorschlag von mir: Wenn sich der Klub wieder verstärkt der Stadt zuwendet, auf die Anhänger zugeht und die große Tradition intensiver pflegt, sollte man auch die ehemaligen Hertha-Profis nicht vergessen. Eine „Bank der Legenden“ auf einer Tribüne – von Entertainer Frank Zander und mir schon vor Jahren vorgeschlagen – könnte ein Signal sein. Viele ehemalige Herthaner, die einst Tore für den Verein schossen oder Gegentore verhinderten, würden sich über mehr Wertschätzung sehr freuen.

Darauf ein stimmgewaltiges Hahohe!