Hatte bisher keinen Grund, sich die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen: Hertha-Trainer Bruno Labbadia. 
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BerlinBruno Labbadia klopfte sich dreimal symbolisch mit der Faust auf den Kopf. „Alles in allem ist das bisher okay“, sagte Herthas Cheftrainer erleichtert und schob vorsichtshalber noch ein „toi, toi toi“ hinterher. Tatsächlich sind die Berliner bisher in der Vorbereitung vom Verletzungspech verschont geblieben. Zur richtigen Bewährungsprobe für die blau-weißen Knochen und Muskeln werden allerdings erst die drei kommenden Wochen. „Wir haben wenig Zeit und noch viel vor“, kündigte Labbadia bereits an.

Dass Hertha BSC bislang keinen verletzen Spieler zu beklagen hat, ist für die Blau-Weißen ungewohnt. Das Tempo und die Intensität des Trainings haben sich im modernen Fußball in den vergangenen Jahren mehr und mehr gesteigert, sodass fast jeder Bundesligist den einen oder anderen Ausfall während der Vorbereitung zu beklagen hat. Auch Hertha hatte in den Vorjahren stets seine Sorgenkinder: Ondrej Duda, Vladimir Darida, Davie Selke, Peter Pekarik – mindestens ein Blau-Weißer verpasste immer weite Teile der oder gar die komplette Vorbereitung. Diesmal sind alle noch wohlauf. Lediglich Nachwuchsstürmer Jessic Ngankam zwickte mal die Wade, Zugang Deyo Zeefuik trainierte vergangene Woche nur individuell, nachdem der vom FC Groningen gekommene Rechtsverteidiger beim Waldlauf auf einer Wurzel umgeknickt war. „Das war bei beiden nichts Schlimmes“, gab Labbadia sofort Entwarnung.

Überhaupt ist der Hesse mit seiner Mannschaft bisher sehr zufrieden. Bis auf die teilweise zu leise Kommunikation untereinander auf dem Platz hätten „die Jungs top gearbeitet“. Auch deswegen spendierte Labbadia nach intensiver Grundlagenarbeit in den Bereichen Kraft und Kondition seinem Team einen fünftägigen Kurzurlaub. „Es waren sehr hohe Umfänge. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig“, berichtete Labbadia, der deswegen seinen Spielern an zwei Tagen sogar ein absolutes Sportverbot verhängte, das als regenerative Abrundung dienen soll.

Die Verschnaufpause sollten die Herthaner gut genutzt haben. Denn die kommenden drei Wochen bis zum ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal bei Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig werden nicht weniger schweißtreibend. Ab Montag legt Labbadia den Fokus auf die Spritzigkeit seiner Profis, wobei die taktischen und technischen Umfänge gleich bleiben sollen. „Die Jungs sollen frisch die nächste Stufe angehen. Wir werden dann bis zum Saisonstart intensiv an unserer Dynamik arbeiten“, erklärt der 54-Jährige, wohl wissend, dass das fordernde Programm mit Tempoläufen und intensiven Sprints eine ernste Belastungsprobe für die Muskelfasern seiner Spieler wird und das bisher verwaiste Hertha-Lazarett in den kommenden Wochen füllen könnte.

Und auch die kommenden Testspiele werden eine andere Herausforderung. Nach zwei internen Duellen und dem 2:0-Sieg gegen Drittligist Viktoria Köln trifft Hertha BSC in dieser Woche auf zwei niederländische Spitzenklubs. Zunächst wird am Dienstag bei Meister Ajax Amsterdam gespielt, bevor die PSV Eindhoven mit ihrem neuen deutschen Trainer Roger Schmidt am Sonnabend zu Gast ist. Gegen den Vorjahresvierten der Ehrendivise wird sogar gleich zweimal über die volle Distanz gespielt, damit jeder Spieler im Kader an seine Belastungsgrenze kommt. Während die deutsch-niederländischen Testspiele vor allem die durch Zeefuik auf mittlerweile vier Profis angewachsene Oranje-Fraktion bei Hertha BSC freuen dürfte, wird Labbadia dagegen glücklich sein, wenn er auch nach den ersten richtigen Härtetests keinen ernsthaften Ausfall zu beklagen hat.